Vom Leuchtturm, der verschwindet und Wild, das sich vermehrt

Ganz in der Nähe des Leuchtturms tummeln sich die Wildschweine. Sie reagieren kaum auf die Spaziergänger, die nur wenige Meter von ihnen entfernt ihrem Treiben zuschauen.

Wir sind im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft westlich des Ostseebads Prerow. Hier gibt es Darßer Ort, was kein Ort ist sondern den nordwestlichsten Punkt der Halbinsel mit seinem Leuchtturm, von dem noch zu sprechen sein wird, markiert.

Hier kommt man nur zu Fuß, per Rad oder Pferdekutsche her. Ein Rundweg von 3,6 Kilometern erlaubt uns, kleine Einblicke in den Wald, die Strandseen und Sümpfe und die Dünenlandschaft zu gewinnen.

Es regnet, aber die Begegnung mit den Wildschweinen motiviert uns weiterzugehen.

Gut so, denn die Landschaft wird immer außergewöhnlicher und Achim erspäht einen Hirsch im hohen Gras. Nur das Geweih spitzt raus, neben ihm drei Hirschkühe.

Wenige Minuten später präsentiert sich ein zweiter in voller Größe. Durchs Fernglas können wir ihn gut sehen, unsere (guten) Kameras haben wir leider im Bus gelassen. So ein Ärger aber auch!

Nach etwa einer Stunde erreichen wir durchnässt unseren Ausgangspunkt, den Leuchtturm, den es nach aktuellem Stand in einigen Jahrzehnten nicht mehr geben wird. Denn das Meer frisst hier jedes Jahr einen Meter Sand und in 50 Jahren wird es das Fundament des Turms unterspülen.

Noch aber ist in ihm eine Außenstelle des Stralsunder Meeresmuseums untergebracht und man kann hoch in seine Spitze klettern und testen, ob man schwindelfrei ist.

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Vom Bodden zum Meer

Vier Tage waren wir am Bodden, den Lagunen der Ostsee, haben die Gegend durchstreift, immer auf der Suche nach dem besten Blick auf die Kraniche.

Auf unserer letzten Radtour genossen wir Wind und Wasser und wunderschöne Ausblicke.

Nun sind wir weitergezogen nach Zingst an die Ostsee. Und haben als allererstes das gemacht, was man immer am Meer macht: einen Strandspaziergang. Es ist windstill, nicht kalt, nicht zu voll.

Es ist so schön, wieder am Meer zu sein, sein Rauschen zu hören, das Wasser bis zum Horizont zu verfolgen.

Der kleine Ort Zingst mit vielen kleinen Geschäfte, Cafés und Lokalen, Straßenmusiker und einer  Fotoausstellung,die über den ganzen Ort verteilt ist, lädt uns zum Bummeln ein. Wir nehmen die Einladung dankend an.

Stralsund und Kinnbackenhagen

Ich war so sehr auf die Kraniche fixiert, dass ich erst am zweiten Tag auf dem Naturcamping Duvendiek realsiert habe, wie nah Stralsund ist. Die alte Hansestadt ist im erlauchten Kreis des Weltkulturerbes vertreten, gerade mal 12 Kilometer entfernt. St Nikolai, die größte Kirche der Stadt mit ihren unterschiedlichen Türmen, wird seit 1971 renoviert. Die […]

Stralsund und Kinnbackenhagen

Bei den Vögeln des Glücks

Ihretwegen sind wir hierher, an den Bodden südlich von Fischland-Darß, gefahren. Ihretwegen werde ich heute sehr früh wach, denn ich höre sie schon. Ihr Ruf, dieses typische, trompetende Krru, Krru, lockt mich aus dem Bett. Über uns zieht eine kleine Formation Kraniche hinweg. Die nächste folgt alsbald, aber wir brauchen erstmal einen Kaffee. Im Frühling sind 15 Grad fein, an einem Herbstmorgen nahe der Ostsee sehr frisch.

Wir lassen uns Zeit, denn wir haben uns für vier Nächte auf dem „Naturcamp zu den zwei Birken“ im kleinen Dorf Duvendiek einquartiert. Von hier sind es nur acht Kilometer zum Kranorama, einer Kranichbeobachtungsstation am Günzer See.

Von der Station aus blickt man, ohne die Vögel zu stören, auf die Seewiesen und kann ganz in Ruhe und aus nicht zu großer Entfernung die „Juwelen der Küste“ betrachten.

Achim sind, wie ich finde, ein paar sehr schöne Aufnahmen gelungen.

Doch nicht nur Kraniche tummeln sich hier, jede Menge Gänse stärken sich ebenfalls für die weite Reise nach Süden. Seeadler und Habicht stören sie dabei allerdings ab und zu und schrecken die ganze Schar auf.

Auch wir ziehen weiter. Ein paar Kilometer nördlich gibt es in Groß Mohrdorf ein Kranichinformationszentrum, in dem wir uns noch einen Film über die Vögel, die vor rund 40 Jahren noch vom Aussterben bedroht waren, anschauen.

Weiter geht es am Bodden entlang zu Elises Café, die alle ihre Kuchen selbst backt.

Mich interessiert auch noch, woher die Bezeichnung „Vögel des Glücks“ kommt. Die Website des BUND Niedersachsen klärt mich auf: „Kraniche gelten als Vorzeichen des Frühlings, einer Jahreszeit, in der Wärme, Licht und Nahrungsfülle wieder Einkehr halten.“

Über der Bode

In diesem Beitrag schildert Achim, was er – manchmal – auf Reisen so macht 😀.

Nach einigen Tagen, die wir bei meiner Mutter in Göttingen verbracht haben, steht der Harz auf dem Programm. Der ist ja nicht weit weg, sodass wir noch gemütlich zusammen frühstücken. Eine Stunde vor dem reservierten Termin sind wir dann an der Rappbodetalsperre. Es ist relativ wenig los, da darf ich mich gleich anstellen zu meinem […]

Über der Bode

Zurück zur Unstrut

Natürlich wollten wir uns Weimar und Erfurt anschauen. Goethe, Bauhaus, Luther. Aber der Wetterbericht prophezeit für die nächsten Tage Regen, viel Regen. Und so haben wir umdisponiert, beide Städte auf die Liste der später zu besichtigenden gesetzt und beschlossen, auf direktem Weg zu unserem Bus zu radeln.

Die erste Stunde, direkt nach Norden war noch sehr hügelig. Wie gestern. Heute kam dann aber noch ein kräftiger Gegenwind dazu, der uns bis Nachmittags erhalten blieb (sogar Achim spielte mit dem Gedanken, sich ein E-Bike zu kaufen!).

Nach 30 Kilometern waren wir wieder auf bekanntem Terrain: dem Unstrutradweg. 50 Kilometer lagen noch vor uns bis Mühlhausen. Obwohl ab und zu die Sonne rausspitzte und es tatsächlich trocken blieb, war es mit 12 Grad ziemlich kühl und ungemütlich.

Zwei Tiere zu Mittag hoben die Stimmung – eine warme geräucherte Forelle auf dem Teller und ein sehr zutrauliches Huhn unter dem Tisch.

Apropos Tiere: was ist das doch für ein merkwürdiges Gefühl, wenn eine Maus unter dem Zeltboden entlang des im Schlaf von der Luftmatratze gerutschten Arms krabbelt. War aber nicht weiter schlimm. Einmal ordentlich auf den Boden gehauen und sie war weg. Was müssen wir denn auch unser Zelt in ihr Terrain bauen.

Irgendwann in der Nacht hat sie dann auch noch ein Loch in unsere Zeltunterlage geknabbert und ins Vorzelt geköttelt.

Wo wir schon bei den Missgeschicken des Tages sind: ich hatte gestern Abend meine regendichten Fahrradtaschen ganz offensichtlich nicht wirklich dicht verschlossen – Jeans, Pulli und einiges mehr waren komplett nass heute morgen.

Als wir schließlich gegen 18 Uhr wieder beim Bus waren, packten wir die Radtaschen gleich aus und auf jedem freien Plätzchen liegt oder hängt jetzt etwas von mir zum Trocknen.

Das Zelt wird morgen bei der Schwiegermama in Göttingen getrocknet. Bei ihr bleiben wir ein paar Tage, bis das Wetter wieder besser ist.

Kultur und Topographie

Gestern Abend sind wir nicht mehr in den Dom gekommen, haben aber nach ein bisschen Warten einen der raren Restaurantplätze am Marktplatz ergattert. Lecker Essen und Trinken und im Blick das schöne Rathaus. Nach dem Frühstück mit der leckeren Bratwurst haben wir Naumburg erkundet, also den Dom. Innen eine schlichte Halle, sehr hoch. Im Ostchor […]

Kultur und Topographie

Die Himmelsscheibe von Nebra

Im Herbst zu zelten, ist für mich neu und besonders. Abends wird es sehr früh dunkel und trotz der tagsüber noch hohen Temperaturen rasch frisch, sobald die Sonne untergegangen ist, so dass wir schon um kurz nach neun ins Zelt krabbeln. Dank meines mollig warmen Schlafsacks und einer guten Luftmatratze sind die Nächte angenehm. Heute Morgen war es neblig und seeeehr feucht und frisch. Mit Haselnusskaffee aus Malaysia (den wir immer von unserer Freundin Jessy bekommen) starten wir trotzdem beschwingt in den Tag.

Frühnebel über der Unstrut
Frühstück am Fluss

Zunächst fahren wir zwölf Kilometer zurück. Gestern sind wir nämlich an einem der Highlights dieser Tour vorbeigeradelt, weil es schon zu spät war: der Himmelsscheibe von Nebra. Die bronzene Scheibe mit Goldauflagen wurde von einem unbekannten Künstler vor über 3500 Jahren gefertigt und zeigt die älteste konkrete Darstellung des Kosmos‘ weltweit. Seit Juni 2013 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Eine Projektion der Himmelsscheibe von Nebra im Museum
In der Arche von Nebra erfahren wir vieles zum Thema Astronomie und Archäologie.

Das Original der Himmelsscheibe wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufbewahrt. Am Fundort in der Nähe von Nebra wurde 2007 das multimediale Besucherzentrum Arche Nebra eröffnet.

Viel los im Besucherzentrum

Im Planetarium schauen wir uns einen Film an, in dem die heutigen Archäologen uns ihre Deutung der Arbeit ihrer bronzezeitlichen Kollegen erklären.

Das abgebildete Siebengestirn (die Plejaden), die Sichel des Mondes, der Vollmond und die beiden Horizontbögen für Sonnenauf – und -untergang haben womöglich als Erinnerungshilfe für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient.

Die Himmelsscheibe von Nebra wurde nicht in einer regulären Ausgrabung gefunden. Verwickelt und spannend wie ein Krimi liest sich die Geschichte ihrer Auffindung: Zwei Männer gruben die Scheibe im Jahr 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra aus.

Aussichtsturm am Fundort auf dem Mittelberg

Die beiden Raubgräber, die mit einer Metallsonde auf der Suche nach vorgeschichtlichen Metallfunden waren, hatten keineswegs vor, ihre Funde im Sinne des ordnungsgemäß beim Archäologischen Landesamt abzuliefern, sondern verkauften sie. Nach weiteren Stationen – die Objekte wurden auch Museen zum Kauf angeboten – konnten sie im Jahr 2002 in einer fingierten Ankaufssituation durch den Landesarchäologen Dr. Harald Meller und unter Einsatz der Polizei in einem Baseler Hotel sichergestellt werden (Danke, Wikipedia!)

Übrigens, schon gemerkt? Reisen bildet. 😀

Gegen Mittag sind wir zurück am Campingplatz, packen das mittlerweile trockene Zelt ein und radeln weiter Richtung Naumburg, unserem Tagesziel.

Der Fluss wird immer breiter, das Tal enger. An seinen Hängen wird nun Wein angebaut. Ich werde ihn am Abend kosten.

Kurz vor Naumburg stoßen wir noch auf ein Kuriosum: Das Steinerne Bilderbuch ist ein altes in Sandstein gehauenes Relief am unteren Teil eines Weinberges. Es ist 150 m lang und zeigt 12 fast lebensgroße Bilder mit meist biblischen Motiven aus der Weinbaugeschichte.

Ein steinernes Bilderbuch von 1722 als Geschenk für einen Herzog

Wenig später steht für uns eine Verabschiedung an: von der Unstrut, die hier in die Saale mündet.

Die Unstrut (rechts) mündet in Naumburg in die Saale.

Wir schippern mit einer Seilfähre über die Saale, unser Campingplatz ist gleich auf der anderen Seite.

Noch ein Kaffee, dann fahren wir zum Abendessen in die Stadt.

Auf der Fähre über die Saale
Campingidylle
Der Naumburger Dom

An der Unstrut – Bauernkrieg

Unterwegs

Nach einer herrlich ruhigen und kuscheligen Nacht auf unserem einsamen Campingplatz bei Heldrungen und einem köstlichen Frühstück am Zelt statten wir dem Ort noch einen Besuch ab. Ein Wasserschloss, eher eine Wasserburg, lockt. Aber umsonst – eine Besichtigung der Außenanlage ist wegen Corona nicht möglich.

Das ist schade – ganz in der Nähe ist eines der Highlights des Tages, eine Gedenkstätte der Bauernkriege. Es ist ein 12 km langer Abstecher nach Norden, an den südlichen Hang des Kyffhäusers bei Bad Frankenhausen.

Ganz schön anstrengend – bis zu 13% beträgt die Steigung

Thomas Müntzer und das 6000 Mann große Bauernheer verloren hier 1566 die große Schlacht vernichtend. Und das wird – geschichtlich weit ausholend – auf einem der größten Wandbilder der Welt in Ölfarben als Panorama dargestellt. Unbedingt empfehlenswert!

Ausschnitt aus dem Panorama

Rasant geht’s wieder runter auf den Unstrut-Radweg. Wir durchqueren ein Ried, aus dem Boden kommt hier salziges Wasser.

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Wo der Fuchs „Guten Morgen!“ sagt

Um sieben klingelt der Wecker, denn wir haben viel vor heute: über 90 Kilometer Radeln plus diverse Besichtigungen. Dass wir heute so weit fahren, liegt daran, dass es hier nicht so viele Campingplätze gibt. Einen in 25 km Entfernung (bisschen arg wenig) und einen eben in 90.

Wir parken unseren Bus für eine Woche auf dem Wohnmobilstellplatz in Mühlhausen und ziehen jetzt mit Rädern und Zelt los: auf dem Unstrut-Radweg bis Naumburg, dann ein bisschen an Saale, Ilm und Gera, um Jena, Weimar, Erfurt und Gotha anzuschauen.

Gerade haben wir Mühlhausen verlassen, als uns auf einer Weide eine Herde Kühe auffällt, deren Hörner nicht geschnitten wurden. So schöne Tiere! Doch was läuft mitten durch die Herde? Ein Fuchs! Er schaut mich für einen Moment an, ich schaue ihn an, freue mich, ein solches Prachtexemplar aus der Nähe bewundern zu können, dann reicht es ihm und er läuft fort. Achim gelingt noch ein Schnappschuss.

Die Unstrut ist hier noch sehr schmal. Der Weg führt mal auf dem rechten, mal auf dem linken Ufer, durch Zuckerrüben- und Maisfelder und kleine Dörfer.

Nach 25 Kilometern erreichen wir das hübsche Bad Langensalza mit einer lebendigen Altstadt voller prächtiger Fachwerkbauten und einem Rathaus mit Glockenspiel. Bekannt ist die Stadt auch für ihr Soleheilbad und spezielle Gärten, u.a.ein japanischer Garten, ein Rosengarten und ein botanischer Garten.

Doch wir radeln gemütlich weiter und halten nach wenigen Kilometern an einem außergewöhnlichen Haus am Ortsrand von Nägelstedt. Neugierig studieren wir die Informationstafel: Der Schieferhof wurde 1565 vom Ritter Hans von Germar als Zufluchtstätte für sich und seine Frau Katharine von Knoblauch gebaut. Die halbrunde Verteidigungsmauer mit Schießscharten, die das Haus umgibt, zeugt von einem wenig friedlichen Leben. Hans hatte es sich mit dem Deutschen Ritterorden verscherzt, da er Ehelosigkeit gelobt hatte, aber sich dann doch für Katherine entschied.

Recht früh machen wir heute Mittagspause, weil wir schon um kurz vor 12 den Imbiss am Eingang zum Naturschutzgebiet Unstruttal erreichen. Gemeinsam mit einer Schulklasse auf Wandertag verzehren wir die obligatorische Thüringer Rostbratwurst.

Das Naturschutzgebiet ist klein aber fein. Hier im Thüringer Becken mit seinem trocken-warmen Klima konnten sich die Hauptvorkommen der Steppenrasen Deutschlands entwickeln.

Spannend auch die Schlossruine Herbsleben. Seit dem Jahr 2000 beschäftigen sich Archäologen mit der Ruine des in den 50er Jahren abgerissenen Schlosses und stießen dabei auf eine spätromanische Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Wir umrunden das Gelände, dann zieht es uns ins Café nach Sömmerda zu Kaffee, Kuchen und Eis. Beim Edeka gegenüber finden wir noch einen hiesigen Wein, Saale- Unstrut ist ein durchaus renommiertes Weinanbaugebiet.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den „Bedarfscampingplatz“ in Heldrungen. Ein See, ein Bistro und ein kleiner Zeltplatz, auf dem wir die einzigen Gäste sind. Es ist noch angenehm warm, vor dem Zeltaufbau gibt es beim Wirt noch ein Bierchen, dann machen wir Meidingers Hühnerfrikassee mit ein paar Kartoffeln warm. Um 8 ist es schon dunkel, jetzt, um 9 stockdunkel. Zeit, das Tablet auszumachen und mit dem Liebsten Sterne anzuschauen.