Archiv der Kategorie: Radtouren

Zurück zur Unstrut

Natürlich wollten wir uns Weimar und Erfurt anschauen. Goethe, Bauhaus, Luther. Aber der Wetterbericht prophezeit für die nächsten Tage Regen, viel Regen. Und so haben wir umdisponiert, beide Städte auf die Liste der später zu besichtigenden gesetzt und beschlossen, auf direktem Weg zu unserem Bus zu radeln.

Die erste Stunde, direkt nach Norden war noch sehr hügelig. Wie gestern. Heute kam dann aber noch ein kräftiger Gegenwind dazu, der uns bis Nachmittags erhalten blieb (sogar Achim spielte mit dem Gedanken, sich ein E-Bike zu kaufen!).

Nach 30 Kilometern waren wir wieder auf bekanntem Terrain: dem Unstrutradweg. 50 Kilometer lagen noch vor uns bis Mühlhausen. Obwohl ab und zu die Sonne rausspitzte und es tatsächlich trocken blieb, war es mit 12 Grad ziemlich kühl und ungemütlich.

Zwei Tiere zu Mittag hoben die Stimmung – eine warme geräucherte Forelle auf dem Teller und ein sehr zutrauliches Huhn unter dem Tisch.

Apropos Tiere: was ist das doch für ein merkwürdiges Gefühl, wenn eine Maus unter dem Zeltboden entlang des im Schlaf von der Luftmatratze gerutschten Arms krabbelt. War aber nicht weiter schlimm. Einmal ordentlich auf den Boden gehauen und sie war weg. Was müssen wir denn auch unser Zelt in ihr Terrain bauen.

Irgendwann in der Nacht hat sie dann auch noch ein Loch in unsere Zeltunterlage geknabbert und ins Vorzelt geköttelt.

Wo wir schon bei den Missgeschicken des Tages sind: ich hatte gestern Abend meine regendichten Fahrradtaschen ganz offensichtlich nicht wirklich dicht verschlossen – Jeans, Pulli und einiges mehr waren komplett nass heute morgen.

Als wir schließlich gegen 18 Uhr wieder beim Bus waren, packten wir die Radtaschen gleich aus und auf jedem freien Plätzchen liegt oder hängt jetzt etwas von mir zum Trocknen.

Das Zelt wird morgen bei der Schwiegermama in Göttingen getrocknet. Bei ihr bleiben wir ein paar Tage, bis das Wetter wieder besser ist.

Kultur und Topographie

Gestern Abend sind wir nicht mehr in den Dom gekommen, haben aber nach ein bisschen Warten einen der raren Restaurantplätze am Marktplatz ergattert. Lecker Essen und Trinken und im Blick das schöne Rathaus. Nach dem Frühstück mit der leckeren Bratwurst haben wir Naumburg erkundet, also den Dom. Innen eine schlichte Halle, sehr hoch. Im Ostchor […]

Kultur und Topographie

Die Himmelsscheibe von Nebra

Im Herbst zu zelten, ist für mich neu und besonders. Abends wird es sehr früh dunkel und trotz der tagsüber noch hohen Temperaturen rasch frisch, sobald die Sonne untergegangen ist, so dass wir schon um kurz nach neun ins Zelt krabbeln. Dank meines mollig warmen Schlafsacks und einer guten Luftmatratze sind die Nächte angenehm. Heute Morgen war es neblig und seeeehr feucht und frisch. Mit Haselnusskaffee aus Malaysia (den wir immer von unserer Freundin Jessy bekommen) starten wir trotzdem beschwingt in den Tag.

Frühnebel über der Unstrut
Frühstück am Fluss

Zunächst fahren wir zwölf Kilometer zurück. Gestern sind wir nämlich an einem der Highlights dieser Tour vorbeigeradelt, weil es schon zu spät war: der Himmelsscheibe von Nebra. Die bronzene Scheibe mit Goldauflagen wurde von einem unbekannten Künstler vor über 3500 Jahren gefertigt und zeigt die älteste konkrete Darstellung des Kosmos‘ weltweit. Seit Juni 2013 gehört sie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe in Deutschland.

Eine Projektion der Himmelsscheibe von Nebra im Museum
In der Arche von Nebra erfahren wir vieles zum Thema Astronomie und Archäologie.

Das Original der Himmelsscheibe wird im Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle aufbewahrt. Am Fundort in der Nähe von Nebra wurde 2007 das multimediale Besucherzentrum Arche Nebra eröffnet.

Viel los im Besucherzentrum

Im Planetarium schauen wir uns einen Film an, in dem die heutigen Archäologen uns ihre Deutung der Arbeit ihrer bronzezeitlichen Kollegen erklären.

Das abgebildete Siebengestirn (die Plejaden), die Sichel des Mondes, der Vollmond und die beiden Horizontbögen für Sonnenauf – und -untergang haben womöglich als Erinnerungshilfe für die Bestimmung des bäuerlichen Jahres von der Vorbereitung des Ackers bis zum Abschluss der Ernte gedient.

Die Himmelsscheibe von Nebra wurde nicht in einer regulären Ausgrabung gefunden. Verwickelt und spannend wie ein Krimi liest sich die Geschichte ihrer Auffindung: Zwei Männer gruben die Scheibe im Jahr 1999 auf dem Mittelberg in Wangen bei Nebra aus.

Aussichtsturm am Fundort auf dem Mittelberg

Die beiden Raubgräber, die mit einer Metallsonde auf der Suche nach vorgeschichtlichen Metallfunden waren, hatten keineswegs vor, ihre Funde im Sinne des ordnungsgemäß beim Archäologischen Landesamt abzuliefern, sondern verkauften sie. Nach weiteren Stationen – die Objekte wurden auch Museen zum Kauf angeboten – konnten sie im Jahr 2002 in einer fingierten Ankaufssituation durch den Landesarchäologen Dr. Harald Meller und unter Einsatz der Polizei in einem Baseler Hotel sichergestellt werden (Danke, Wikipedia!)

Übrigens, schon gemerkt? Reisen bildet. 😀

Gegen Mittag sind wir zurück am Campingplatz, packen das mittlerweile trockene Zelt ein und radeln weiter Richtung Naumburg, unserem Tagesziel.

Der Fluss wird immer breiter, das Tal enger. An seinen Hängen wird nun Wein angebaut. Ich werde ihn am Abend kosten.

Kurz vor Naumburg stoßen wir noch auf ein Kuriosum: Das Steinerne Bilderbuch ist ein altes in Sandstein gehauenes Relief am unteren Teil eines Weinberges. Es ist 150 m lang und zeigt 12 fast lebensgroße Bilder mit meist biblischen Motiven aus der Weinbaugeschichte.

Ein steinernes Bilderbuch von 1722 als Geschenk für einen Herzog

Wenig später steht für uns eine Verabschiedung an: von der Unstrut, die hier in die Saale mündet.

Die Unstrut (rechts) mündet in Naumburg in die Saale.

Wir schippern mit einer Seilfähre über die Saale, unser Campingplatz ist gleich auf der anderen Seite.

Noch ein Kaffee, dann fahren wir zum Abendessen in die Stadt.

Auf der Fähre über die Saale
Campingidylle
Der Naumburger Dom

An der Unstrut – Bauernkrieg

Unterwegs

Nach einer herrlich ruhigen und kuscheligen Nacht auf unserem einsamen Campingplatz bei Heldrungen und einem köstlichen Frühstück am Zelt statten wir dem Ort noch einen Besuch ab. Ein Wasserschloss, eher eine Wasserburg, lockt. Aber umsonst – eine Besichtigung der Außenanlage ist wegen Corona nicht möglich.

Das ist schade – ganz in der Nähe ist eines der Highlights des Tages, eine Gedenkstätte der Bauernkriege. Es ist ein 12 km langer Abstecher nach Norden, an den südlichen Hang des Kyffhäusers bei Bad Frankenhausen.

Ganz schön anstrengend – bis zu 13% beträgt die Steigung

Thomas Müntzer und das 6000 Mann große Bauernheer verloren hier 1566 die große Schlacht vernichtend. Und das wird – geschichtlich weit ausholend – auf einem der größten Wandbilder der Welt in Ölfarben als Panorama dargestellt. Unbedingt empfehlenswert!

Ausschnitt aus dem Panorama

Rasant geht’s wieder runter auf den Unstrut-Radweg. Wir durchqueren ein Ried, aus dem Boden kommt hier salziges Wasser.

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Wo der Fuchs „Guten Morgen!“ sagt

Um sieben klingelt der Wecker, denn wir haben viel vor heute: über 90 Kilometer Radeln plus diverse Besichtigungen. Dass wir heute so weit fahren, liegt daran, dass es hier nicht so viele Campingplätze gibt. Einen in 25 km Entfernung (bisschen arg wenig) und einen eben in 90.

Wir parken unseren Bus für eine Woche auf dem Wohnmobilstellplatz in Mühlhausen und ziehen jetzt mit Rädern und Zelt los: auf dem Unstrut-Radweg bis Naumburg, dann ein bisschen an Saale, Ilm und Gera, um Jena, Weimar, Erfurt und Gotha anzuschauen.

Gerade haben wir Mühlhausen verlassen, als uns auf einer Weide eine Herde Kühe auffällt, deren Hörner nicht geschnitten wurden. So schöne Tiere! Doch was läuft mitten durch die Herde? Ein Fuchs! Er schaut mich für einen Moment an, ich schaue ihn an, freue mich, ein solches Prachtexemplar aus der Nähe bewundern zu können, dann reicht es ihm und er läuft fort. Achim gelingt noch ein Schnappschuss.

Die Unstrut ist hier noch sehr schmal. Der Weg führt mal auf dem rechten, mal auf dem linken Ufer, durch Zuckerrüben- und Maisfelder und kleine Dörfer.

Nach 25 Kilometern erreichen wir das hübsche Bad Langensalza mit einer lebendigen Altstadt voller prächtiger Fachwerkbauten und einem Rathaus mit Glockenspiel. Bekannt ist die Stadt auch für ihr Soleheilbad und spezielle Gärten, u.a.ein japanischer Garten, ein Rosengarten und ein botanischer Garten.

Doch wir radeln gemütlich weiter und halten nach wenigen Kilometern an einem außergewöhnlichen Haus am Ortsrand von Nägelstedt. Neugierig studieren wir die Informationstafel: Der Schieferhof wurde 1565 vom Ritter Hans von Germar als Zufluchtstätte für sich und seine Frau Katharine von Knoblauch gebaut. Die halbrunde Verteidigungsmauer mit Schießscharten, die das Haus umgibt, zeugt von einem wenig friedlichen Leben. Hans hatte es sich mit dem Deutschen Ritterorden verscherzt, da er Ehelosigkeit gelobt hatte, aber sich dann doch für Katherine entschied.

Recht früh machen wir heute Mittagspause, weil wir schon um kurz vor 12 den Imbiss am Eingang zum Naturschutzgebiet Unstruttal erreichen. Gemeinsam mit einer Schulklasse auf Wandertag verzehren wir die obligatorische Thüringer Rostbratwurst.

Das Naturschutzgebiet ist klein aber fein. Hier im Thüringer Becken mit seinem trocken-warmen Klima konnten sich die Hauptvorkommen der Steppenrasen Deutschlands entwickeln.

Spannend auch die Schlossruine Herbsleben. Seit dem Jahr 2000 beschäftigen sich Archäologen mit der Ruine des in den 50er Jahren abgerissenen Schlosses und stießen dabei auf eine spätromanische Burganlage aus dem 13. Jahrhundert. Wir umrunden das Gelände, dann zieht es uns ins Café nach Sömmerda zu Kaffee, Kuchen und Eis. Beim Edeka gegenüber finden wir noch einen hiesigen Wein, Saale- Unstrut ist ein durchaus renommiertes Weinanbaugebiet.

Gegen 18 Uhr erreichen wir den „Bedarfscampingplatz“ in Heldrungen. Ein See, ein Bistro und ein kleiner Zeltplatz, auf dem wir die einzigen Gäste sind. Es ist noch angenehm warm, vor dem Zeltaufbau gibt es beim Wirt noch ein Bierchen, dann machen wir Meidingers Hühnerfrikassee mit ein paar Kartoffeln warm. Um 8 ist es schon dunkel, jetzt, um 9 stockdunkel. Zeit, das Tablet auszumachen und mit dem Liebsten Sterne anzuschauen.

Ostwärts – An der Unstrut

Nach 220 Kilometern Autobahn und weiteren 220 Kilometern Landstraße sind wir gestern in Mühlhausen in Thüringen angekommen. Die erste Hälfte – von Freising nach Bamberg – hat kaum erzählenswertes aufzuweisen. Von der zweiten Hälfte könnte ich ziemlich viel erzählen, von den Landschaften, den Dörfern und schönen Ausblicken, die zu Abstechern einladen. Nein, ich beginne im […]

Ostwärts – An der Unstrut

Isarradeln

Familie, FreundInnen, alle sind sie unterwegs. Im Fichtelgebirge, am Waginger See, an Schlei und Saar, sogar in den Dolomiten und auf Kreta. Da zieht es mich auch hinaus, wenn auch nur für zwei Tage, wenn auch nur 180 Kilometer: Neufahrn – Bad Tölz – Neufahrn, immer entlang der Isar.

Der erste Teil der Strecke bis München ist wohlvertraut, schon oft geradelt, aber immer wieder schön.

Vorbei geht es an schönen Bogenhausener Villen, dem Maximilianäum und dem Müllerschen Volksbad, dem Deutschen Museum, dem Tierpark. Schnell ist die Stadt durchquert, die Zahl der Jogger-, Spaziergänger- und RadlerInnen hält sich in angenehmen Grenzen. Obwohl für den Nachmittag über 25 Grad vorhergesagt sind, ist es jetzt am Vormittag noch recht frisch, so dass auf den Kiesbänken auch nicht allzu viel los ist.

Südlich von München ist der Isarradweg geeigneter für Mountainbikes als für Tourenräder. Es geht kurvig rauf und runter auf schottriger Piste. In Grünwald verlässt der Radweg den Fluss leider für einige Kilometer. Aber der Grünwalder Forst ist auch schön. Hinter Strasslach treffe ich wieder auf die Isar – zum ersten Mal mit den Bergen im Hintergrund.

Nach 52 Kilometern habe ich Lust auf eine Mittagspause und da kommt mir das Kloster Schäftlarn mit seinem Bräustüberl gerade recht. Da ich mir die Bequemlichkeit der elektrischen Unterstützung im Modus „Tour“ geleistet habe, kann auch mein Akku neue Energie vertragen, was hier problemlos möglich ist.

Auf den ersten Kilometern am Nachmittag folgt die Route auf asphaltierten Weg dem Isarkanal. Als ich die Pupplinger Au passiere, erinnere ich mich, dass wir während der Studentenzeit manchmal hierher gefahren sind. Hier war das Paradies der Nackerten, schwul, hetero, wurscht.

Bald bin ich wieder an der Isar und in Wolfratshausen, von dem man auf dem Isarradweg überhaupt nichts mitbekommt. An Geretsried  vorbei geht es über das Hochufer und durch den Wald Richtung Bad Tölz.

Vom Malerwinkel gibt es einen schönen Blick auf die Isar tief im Tal.

Ich erreiche Bad Tölz gegen vier. Vorher geht es nochmal ordentlich den Berg hoch, 300 Meter vor meinem Hotel ist mein Akku leer. Die letzte, sehr kurze Steigung, muss ich dann tatsächlich schieben. Na, so was.

Am Abend bummele ich noch ein wenig durch die hübsche Altstadt. Im Eiscafé, in dem ich mir einen Apéritif gönne, erfahre ich, dass der Herr am Nebentisch nächste Woche zahlreiche Arzttermine absolvieren muss: „Schilddrüse, Prostata, Zahnarzt.“

„So ist das eben, wenn man allein unterwegs ist“, kommentiert Freundin Regina via WhatsApp. Leider. Na, da hol ich doch mal schnell meinen Krimi raus.

Quer durchs Land nach Magdeburg

Knapp 100 Kilometer liegen heute vor uns – von Rathenow an der Havel nach Magdeburg. Eigentlich wollten wir heute noch an der Havel langfahren, gern bis Brandenburg. Aber leider gab es in der ganzen Gegend keine freien Zimmer mehr. Deshalb beschließen wir, nach Magdeburg zu radeln. Das ist immerhin schon mal die richtige Richtung. Denn unsere Autos haben wir ja in Dresden zurückgelassen.

Wir fahren also nach Südwesten und Achim hat gestern Abend noch versucht, eine optimale Fahrradroute auszutüfteln.

Das ist ihm gut gelungen. Wir fahren über ruhige Nebenstraßen, auf denen ich mich im Fotografieren während des Fahrens üben kann.

Es gibt schon seit Tagen Obstbäume entlang unserer Straßen, vor allem Äpfel, Pflaumen und Kirschen. Heute ist es eine prächtige Birnenallee (Fontanes Ribbeck ist ja auch nicht allzu weit weg.)

Da die Havel fast parallel zur Elbe fließt, erreichen wir bereits nach 33 Kilometern wieder den großen Strom. Bald finden wir ein hübsches Plätzchen am Wasser zum Mittagessen. Danach bläst uns der Wind ins Gesicht. Nicht nur für Achim, der sein eigener Motor ist, auch für uns PedelecfahrerInnen wird es jetzt anstrengend. Der Gegenwind hält an bis kurz vor Magdeburg. Auch am Elbe-Havel-Kanal kämpfen wir mit 15 km/h.

Sonnengetränkt und windzerzaust erreichen wir nach knapp 100 Kilometern gegen 18 Uhr unser Ziel.

Am morgigen Samstag werden Edda und ich einen genussreichen Entspannungstag in Magdeburg einlegen, während unsere Männer in Dresden die Autos holen. Am Sonntag geht’s dann wieder heim.

Fazit: Den Elberadweg kann ich sehr empfehlen. Er ist sehr gut ausgeschildert, meistens auf guten Wegen zu befahren und führt durch schöne Landschaften und Dörfer sowie traditionsreiche, sehr gut restaurierte Städte.

Von der Havel haben wir nicht genug gesehen. Dorthin kommen wir Mitte September wieder, wenn wir für ein paar Wochen mit unserem Wohnauto den Osten der Republik erkunden.

Im Havelland

Unterwegs

Bei Havelberg mündet die Havel in die Elbe, die wir nun verlassen. Durch die weiten Havelauen radeln wir südöstlich auf Brandenburg zu.

Die Altstadt Havelbergs mit Dom

Nach dem nicht soooo üppigen (aber köstlichem) Frühstück bewundern wir noch das informative Haus der Flüsse.

Die Havel fließt mit vielen Seitenarmen ganz gemächlich der Elbe entgegen. Es ist wohl der Fluss mit dem geringsten Gefälle in Mitteleuropa durch geschützte Auen – und bei optimalem Wetter.

Den Dom könnten wir nicht besichtigen, wohl aber eine Schinkelkirche im Runddorf Kuhlhausen. 1827 gab Wilhelm III einen Erlass heraus, demzufolge die (evangelischen) Kirchen in den Dörfern Preußens so genannte Standardkirchen sein sollen. Turmlos, hallenartig, billig. Karl Friedrich Schinkel plante diese Kirche mit hölzernen Säulen.

Nicht weit weg gibt es Kunst zu bewundern, die im Rahmen der BuGa aufgestellt wurde.

Wegmarken-land-art.de von Ute Deutz und Rainer Düvell

Auch mal eine Reise wert : der Sternenpark Westhavelland…

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Zwei alte Hansestädte

„Das sind ganz besondere Tage, wenn wir hier am Morgen keinen Ostwind haben“, sagt unsere Wirtin und deckt den Frühstückstisch unter zwei Robinien direkt an den Elbauen.  Bis die anderen kommen, mache ich noch einen kleinen Spaziergang zum Wasser und genieße die frische Luft und die Stille. Heute werden wir unsere letzten 60 Kilometer Elberadweg fahren, denn ab Havelberg wechseln wir auf den Havelradweg.

Wir sind im Storchenland. In jedem Dorf entdecken wir Nester mit Jungvögeln, die entweder geduldig auf ihre Eltern warten, die ihnen das Essen vorbeibringen, oder ihre ersten Flugübungen machen. Mal hüpfen sie dafür im Nest auf und ab und klappern feste dabei oder sie sitzen auf dem First eines Stalls und gucken erstaunt, wo sie denn jetzt gelandet sind.

In Buch, kurz vor Tangermünde, gibt es sogar ein Storchen-TV: im Elbe-Land-Museum wird live aus dem benachbarten Storchennest übertragen.

Ein Seeadler „fliegt“ uns im Museum auch noch vor die Linse.

Wenig später hätten wir die Chance zu weiteren Vogelbeobachtungen. Außer vielen Graugänsen und einigen weiter weg stehenden Kranichen, die wir durchs Fernglas erspähen, lässt sich aber nichts blicken.

Gegen Mittag erreichen wir die alte Kaiser- und Hansestadt Tangermünde, die wir mit dem Rad besichtigen.

Die Blütezeit der Hansestadt war das 15. Jahrhundert, in der die Stadttore und das Rathaus im Stil der norddeutschen Backsteingotik entstanden.

Bei der Besichtigung der St. Stephans-Kirche haben wir Glück. Die neue Kantorin aus St. Petersburg führt ihrem Schwiegervater gerade die Orgel vor (erfahren wir alles von der Küsterin). Die Orgel ist ein „Denkmal von europäischem Rang“ aus dem 17. Jahrhundert und wurde sorgsam restauriert. Wir setzen uns in eine der Kirchenbänke und freuen uns über das unverhoffte Konzert.

Bis zum Tagesziel Havelberg auf der anderen Elbseite sind es noch rund 30 Kilometer. Trotz des Wochentags sind viele Radtouristen unterwegs, die uns jedesmal freundlich grüßen. Auch die Menschen, die hier leben, begegnen uns alle mit ausgesprochener Herzlichkeit.

Es ist schon nach sechs, als wir in Havelberg ankommen. Schuld daran ist der Einkehrschwung in einem schönen Biergarten unmittelbar am Radweg. Aber was will man machen?

Wir verschieben die Besichtigung der Hansestadt auf den nächsten Tag, suchen uns den Weg zu unserer Ferienwohnung, duschen und gehen in das vom Vermieter empfohlene Lokal. Unsere Mitbewohner bleiben daheim und passen auf den Garten und unsere Fahrräder auf.