Archiv der Kategorie: Sieben Wochen durch Spanien

Adios

Unterwegs

Sturmwarnung für Ainsa. In der Nacht hat es so stark geschüttet… das war eine Entscheidungshilfe. Nicht noch einen Tag die Pyrenäen im Parque National de Ordesa y Monte Perdido erleben, das will ich aber bei Gelegenheit nachholen, sondern gleich weiter Richtung Heimat.

Am Hospital de Parzán – Tankstelle, Supermarkt, Restaurant – gibt’s den letzten Café con Leche. Und zwei Kilometer später noch eine weitere kurze Pause. Baustelle im Tunnel, bitte warten.

Ein kleiner Wasserfall plätschert den Fels hinunter und dann können wir weiter.

Der drei Kilometer lange Tunnel erspart uns reichlich Kurbelei gegenüber einer Passfahrt. Die relativ kleinen Straßen sind auch so schonirgendwie anstrengend.

Frankreich empfängt uns eher lieblich.

Unsere Route zum Zwischenziel in Riviére führt uns aber durch den Großraum von Toulouse. Das ist nervig, verstopfte Straßen, ungeduldige Autofahrer. Wie Paris ist auch die Verkehrsplanung rund um die Stadt zentralistisch, alle Wege führen nach Toulouse. Fürchterlich, da…

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1500 Kilometer Heimweg

Da wir Anfang nächster Woche daheim sein wollen, leiten wir heute die Rückreise ein. Rund 1500 Kilometer liegen vor uns, im Schnitt um die 300 Kilometer am Tag. So trifft es sich gut, dass es nieselt und kühl ist, als wir heute Morgen San Sebastian in Richtung Pamplona verlassen. Auch diese Stadt lassen wir links liegen, denn wir können keine Altstädte, Kathedralen und Gassen mehr aufnehmen. So viel gesehen in den letzten Wochen. Gnädig lassen wir uns also vom Nebel einhüllen und rollen auf der leeren Autobahn dahin.

Bis, ja, bis endlich unser spanischer Lieblingssupermarkt auftaucht, in dem wir uns für zuhause mit Wein, Jamon und anderen Leckereien eindecken.

Nachdem wir den quirligen Großraum Pamplona verlassen haben, durchfahren wir das leere Aragonien. Achim wird ganz narrisch, weil es so schöne Ausblicke gibt, man aber nicht anhalten kann.

Gegen halb fünf erreichen wir unseren Drei-Sterne- Campingplatz in Ainsa, ein Dörfchen in den Pyrenäen. Nach drei Nächten auf Stellplätzen mit Katzenwäsche in unerem Minibad tut eine ausgiebige Dusche mal wieder gut. Außerdem gibt es einen beheizten Pool und eine Sauna. Letztere brauchen wir nicht, weil es im Laufe des Tages wärmer geworden und jetzt richtig schwül ist. Den Pool habe ich für mich allein. Wunderbar.

Am Abend radeln wir nach Ainsa. Die Altstadt liegt auf einem Hügel. Es ist unser letzter Abend in Spanien, den wir traditionell mit einer Caña und einer Sangria einläuten. Ein bisschen Wehmut macht sich breit, weil das Ende dieser längsten gemeinsamen Reise, die wir bisher gemacht haben, naht. Es war nicht immer Harmonie pur, wir haben uns auch ganz schön gekabbelt, aber unsere 8 qm haben uns dennoch ein gutes zweites Zuhause geboten.

Viel Vorfreude habe ich auf daheim, die kleine Familie, die Freundinnen und Freunde.

Entspannt in Bilbao

Bilbao ist ein coole Stadt. Falls es irgendetwas geben könnte, was mich hier irritiert, dann wäre es vielleicht die Sprache. Voller x oder tx, jedenfalls kann man sie nicht entziffern, nichts verstehen. Da ist die gemeine Touristin froh, dass alles zweisprachig, also in Baskisch und Kastilisch beschriftet ist. So hat man eine kleine Chance zu verstehen, worum es geht.

Zum Beispiel Zubizuri. Kommt doch niemand auf die Idee, dass das Spanisch ist. Ist es ja auch nicht. Ist Baskisch, bedeutet weißer Bogen und ist der Name einer elegant geschwungenen weißen Brücke, die eines der Wahrzeichen Bilbaos ist.

Ein weiteres ist das Guggenheim-Museum, von 1993 bis 1997 vom amerikanischen Architekten Frank Gehry gebaut. Heute wird es als Startschuss für die urbane Entwicklung der Stadt gesehen. Früher reine Industrie – und Hafenstadt lockt sie jetzt viele KunstliebhaberInnen und Reisende an.

Vor dem Gebäude findet man die „Maman“ genannte Spinne von Louise Bourgeois und den blumigsten Hund aller Zeiten, „Puppy“ von Jeff Koons.

Drinnen werden Werke von VertreterInnen zeitgenössischer Kunst wie Jenny Holzer, Richard Serra oder Gerhard Richter gezeigt.

Unser weiterer Spaziergang durch Bilbao führt an diversen Prunkbauten und zahlreichen modernen Gebäuden vorbei und durch schöne kleine Parks.

Mit der Standseilbahn fahren wir hoch zu einem Aussichtspunkt, der uns schöne Blicke auf die Stadt unter uns schenkt. Auf der Rückfahrt sitzt ein alter Mann mit uns in der Kabine und spielt auf seiner Mundharmonika. Mit strahlendem Lächeln bedankt er sich für den Applaus. Glücklich geht er danach davon.

Für uns war es ein weiter Weg, endlich auch mal wieder heiß und so kommt uns das vielgerühmte Café Iruña mit seiner orientalisch angehauchten Inneneinrichtung und köstlichen baskischen Pintxos (Tapas, leckere Kleinigkeiten) gegen 18 Uhr gerade recht.

Schon gestern Abend haben wir der hiesigen Sitte folgend einen Zug durch die Bars gemacht und u. a. marinierten Kabeljau, mit Paté gefüllte Macarons (ein Traum!) oder einen pechschwarzen Böller, der mit Fischbrei gefüllt war, gegessen. Keine Ahnung, was das war, hat hervorragend geschmeckt.

So machen wir auch an diesem Abend weiter. Nach frittierter Garnele, Anchovis und Pulled pork auf einem Maisküchlein gekrönt von einem kleinen Apfelschnitz erleben wir in einer der Altstadtgassen noch eine Überraschung: eine 15-köpfige Musikgruppe spielt baskische Weisen mit Einhandflöten (Txistu) und kleinen Trommeln. Leider nur zwei Stücke, dann ziehen sie weiter und wir fahren mit dem Bus zu unserm Bus, den wir auf einem Stellplatz über der Stadt geparkt haben.

Gaudís Laune in Comilla

Es war einmal ein Marqués de Comilla, der 1817 in dem kleinen Ort am Meer als Antonio López geboren wurde, nach Kuba auswanderte und dort als Sklavenhändler, Tabakplantagenbesitzer, Reeder und anderen Geschäften ein Vermögen machte. Als er nach vielen Jahrzehnten in seine Heimat zurückkehrte, hegte er den Wunsch, seinen Heimatort zu verschönern und beauftragte führende Modernisme-Architekten mit dem Bau verschiedener Häuser.Gaudí war erst 31 Jahre alt, als er den Auftrag annahm, ein Sommerhaus für Marqués de Comillas Schwager zu bauen. Weil der Bau recht extravagant geraten ist, wird er Capricho de Gaudi (Gaudís Laune) genannt.Das Ziegelsteingebäude ist mit Kachelbändern aus grünen Blättern und Sonnenblumen verziert sowie arabisch inspirierte Elemente wie ein an ein Minarett erinnernder Turm prägen die Fassade.Die Villa wird heute als eines der ersten relevanten Werke des berühmten spanischen Architekten angesehen und ist eines der drei Bauwerke, die er außerhalb Kataloniens baute.

Picos de Europa

Unterwegs

Potes heißt der kleine Ort am Rande des Parque National de Picos de Europa. Der Name der Nationalparks gehört zu jenen Bezeichnungen, die bei mir seit ewigen Zeiten Reisegelüste auslösen.

Hurra, nun bin ich da. Natürlich wollen wir uns dieses Gebiet erwandern. Der Ort liegt auf nur 360m über Null, fangen wir also nicht gleich mit einem 2000er-Gipfel an.

In der Karte finde ich einen ausgewiesenen Wanderweg, allerdings ist der 17 Kilometer lang. In meiner digitalen Karte finde ich einen Abkürzungsweg. Bei Sonnenschein wandern wir los.

Aus dem Ort raus und schon geht’s steil, sehr steil hinauf. „So ein Mist, eigentlich habe ich heute gar keine Lust zum Wandern“ – Eva ist nicht begeistert. Das ändert sich aber als wir eineinhalb Stunden und 400 Höhenmeter später auf einem breiten Kamm ankommen. Viehweiden und Aussicht belohnen uns. Eva ist nun auch mit Freude dabei.

Aber jetzt nochmal soviele Höhenmeter? Nein…

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An der Nordküste

Unser erster Abstecher am Vormittag führt uns zum nördlichsten Punkt Spaniens, der Punta da Estaca de Bares. Hier wird kein großes Aufhebens darum gemacht. Es gibt einen Parkplatz, einen Leuchtturm und einen schönen Stein, in den die Koordinaten geritzt wurden. Man erreicht ihn aber nur nach einer kleinen Kletterpartie, viele werden ihn also gar nicht sehen, ich auch nicht. Aber Achim war dort und hat ihn fotografiert.

Einen schönen Blick zurück auf unseren Übernachtungsplatz ein Kap weiter westlich hat man von hier.Ab jetzt ist die Schnauze unseres Busses Richtung Osten gewendet, also Richtung Heimat. Aber erstmal tingeln wir noch gemütlich an der Nordküste entlang. Es ist heute recht mild, aber grau und regnerisch, so dass wir einfach nur fahren.

Einen späten Mittagsimbiss nehmen wir in einer Fernfahrerkneipe ein. Es gibt riesige Bocadillos, also belegte Baguettes. Meins quillt über von köstlichen Calamares. Da ich den ersten Teil der heutigen Strecke gefahren bin, ist jetzt Achim dran, und ich darf eine Caña dazu trinken.

Den Abend verbringen wir in Cudillero, einem recht malerischen Fischerdorf an der asturischen Küste. Die Häuser sind in verschiedenen Farben gestrichen und ziehen sich bis zum Hafen hinunter. Viele haben ihre guten Zeiten schon hinter sich. Etliches verfällt, anderes wird zum Verkauf angeboten.

Eine Spezialität Asturiens ist der Cidre und die Kunst, ihn zu trinken. Dafür gibt es die Sidrerias, in denen der Apfelwein flaschenweise (2,80 Euro!) verkauft wird. Eingeschenkt wird er wie marrokanischer Minztee, die Flasche hoch über dem Kopf, das Glas ganz unten, damit es schön sprudelt.

Die Mutter aller spanischen Kaps

Unterwegs

Natürlich dauert es wieder einmal länger. Ausschlafen, lange frühstücken. Noch länger dauert es allerdings aus A Coruña und dem eng bebauten Umfeld heraus zu kommen.

Wir haben nur eine kurze Etappe vor uns und genießen das Fahren über die nordgalizischen Nebenstraßen , Küstennah, kurvig, gerne auch mal etwas steiler.

Das erste Highlight des Tages lassen wir links liegen, der am besten erhaltene Küstenwald Europas Parque Natural Fragas do Eume mit vielen Laubbäumen und verschiedenen Farnarten lockt uns dann doch nicht so. Viel zu schattig bei 14Grad 🙄.

Kurz vor unserem ersten Stopp fahren wir sehr erstaunt durch einen Eukalyptuswald. Von einem Aussichtspunkt aus wollen wir „fünf spektakuläre Kilometer den Klippenkuppen entlang“ gehen, so empfiehlt es unser Reiseführer. Die Aussicht ist schön, einige hundert meter weiter noch besserAber dann verschwindet der Weg im Wald. Keine Aussicht. Keine Besonderheiten.

Doch ! Pferde im Wald. Ob wild oder nicht … egal.Nach…

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Am Ende der Welt

Finisterre oder Fisterra, wie der Galizier sagt, wird gern als westlichster Punkt Spaniens bezeichnet – was nicht ganz stimmt, denn der ist 20 Kilometer weiter nördlich. Das Cabo Fisterra ist windzerzaust und bietet einen malerischen Rundblick. Unser Reiseführer (Lonely Planet) erzählt, dass es ein Ritual der Pilger sei, die von Santiago aus noch weiter nach Norden wandern, nach der Ankunft auf den Felsen hinter dem Leuchtturm ihre qualmenden Socken, T-Shirts und anderen verschwitzten Kleidungsstücke zu verbrennen.

Hat keiner gemacht, während wir dort waren, aber einer der vielen Pilger, die wir unterwegs gesehen haben, hat seinen Schuh als Andenken stehen lassen.

Die Küste heißt hier Costa del Morte, Todesküste, denn viele Klippen und Felsen im Meer haben schon zahlreiche Opfer gefordert. Sie ist stark zerklüftet mit vielen felsigen Landzungen und kleinen Buchten. Um die alle abzufahren, bräuchte man Tage. Wir entscheiden uns für die direkte Route durchs hügelige Hinterland und erreichen gegen fünf die Hafenstadt A Coruña.

Im Yachthafen gibt es einen Stellplatz für Wohnmobile. Toiletten, Duschen, Restaurant benutzen wir gemeinsam mit den Skippern. Eine für uns sehr außergewöhnliche Atmosphäre, die wir bei einem kleinen Getränk erstmal auf uns wirken lassen.

Die Stadtmütter und -väter haben sich mit dem Paseo Marítimo etwas ganz besonderes einfallen lassen: eine 13 km lange Uferpromenade für Fußgänger und Radfahrer. Sie wird von Flaneuren, Gassigehern, Joggern, Radfahrern und uns gern genutzt und führt vom Hafen um die Halbinsel herum, vorbei an den Stränden nach Westen.

Wir treffen auf den Torre de Hércules, einen 2000 Jahre alten römischen Leuchtturm.

Und auf eine neuzeitliche Skulptur genannt „Millenium“.

In der Altstadt entdecken wir noch die zentrale Plaza. Doch es ist mittlerweile recht kühl, 15 Grad, und beginnt zu nieseln, so dass wir uns in einer der Gassen nach einem Ort fürs Abendessen umsehen.

In der Jamoneria „El Pinar“werden wir fündig. Erst gibt es zur Caña, dem kleinen Bier, ein paar Scheiben Schinken, Salami und Brot als Gruß aus der Küche. Das wiederholt sich auch beim zweiten Mal. Dann bestellen wir uns noch eine Platte mit gemischten Köstlichkeiten. So gemütlich. So lecker.

Iberico

Unterwegs

So schön der gestrige Tag aufhörte …

… so schön ging’s heute weiter. Eva war in den nächsten Ort geradelt und hat sehr leckeres Brot geholt, das hat unser Frühstück in der Sonne ordentlich aufgewertet.

So gestärkt haben wir uns zur nahen Halbinsel aufgemacht.

Darauf befinden sich ein Faro (= Leuchtturm) und zwei Berge, eher Hügel mit ca 250m Höhe. Da schauen wir uns doch gerne die Küste von oben an.

Der Radweg zum Leuchtturm ist hervorragend und natürlich nur für uns. Pfingstmontag ist hier kein Feiertag, überall wird gewerkelt, die Straße vorm eigenen Haus wird geputzt. Das hatte ich, so nah an Santiago de Compestela, nicht erwartet. Später freuen wir uns darüber, denn der Supermarkt ist auch geöffnet.

Leicht steigt der Weg um den Hügel herum an, die ersten Höhenmeter sind ein Spaziergang, Fels und Meer und blauer Himmel. Sehr entspannend fürs Auge.

Irgendwann endet der breite Weg, ein…

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Wieder am Meer

Der Atlantik gibt sich heute sehr friedlich. Brettleben, wie der Bayer sagt. Die Sonne scheint, es ist windstill und wir haben endlich einen Campingplatz gefunden, auf dem wir so stehen, dass wir von unserem kleinen Stellplatz direkt aufs Wasser gucken können. Was will man mehr?

Vielleicht mal wieder Wäsche, Spiegeleier zum Mittagessen und ein bisschen Route machen, denn, oh Schreck, es bleiben uns nur noch rund zweieinhalb Wochen. Und es gibt doch noch so viel zu sehen! Also planen wir bei Kaffee und Keksen, was wir uns in der verbleibenden Zeit noch anschauen wollen.Am späten Nachmittag machen wir einen Spaziergang am Wasser – und sind beglückt, ein so schönes Fleckchen Erde gefunden zu haben. Achim hat obendrein auch noch zwei Geocaches gefunden.

In der Früh um zehn hatten wir am Morgen unseren Stellplatz in Santiago de Compostela verlassen. Wir haben dort prima nach unserem fröhlichen Abend in der berühmten Pilgerstadt geschlafen.

Das Navi im Auto zeigt es an: es ist nicht weit bis zum Meer.

Wir finden direkt am Wasser einen Kiosk, an dem wir Milchkaffee und Toasts zum Frühstück bekommen. Ganz bezaubernd: rund 50 Meter neben uns spielt jemand auf dem Dudelsack, der fester Bestandteil der galizischen Volksmusik ist.

Neben der Volksmusik und der wunderschönen Landschaft im Nordwesten Spaniens ist Galizien berühmt für seine gute Küche. Gegen neun schwingen wir uns auf die Räder und fahren an der Küstenstraße entlang, bis wir nach fast vier Kilometern auf ein Restaurant stoßen. Aber ach, „Antonio“ macht den galizischen Köchen keine Ehre. Achims Grillteller besteht ausschließlich aus Rippchen (und er ist ja überhaupt kein Fiesler) und mein Kabeljau auf galizische Art ist versalzen. Und die Frage nach der galizischen Art stellt sich natürlich. Die hübsch anzuschauende orangefarbene Sauce hat keinen zu definierenden Eigengeschmack. Ob es wohl die beigefügten Tiefkühlerbsen sind?

Wir werden noch ein paar Tage Zeit haben, um weitere Kostproben zu nehmen. Morgen aber kochen wir sicherheitshalber wieder selber.