Archiv der Kategorie: Allgemein

Auenlandschaft

Den Fluss sehen wir heute erst, nachdem wir rund 25 Kilometer geradelt sind. Die mittlere Altmühl kann sich in riesigen Auen ausbreiten und der Radweg wird mitten durchgeführt.

Heute Mittag haben wir den Bus auf einem Parkplatz neben der Stadthalle in Gunzenhausen abgestellt. Vorher haben wir vergeblich versucht, am Brombach- und am Altmühlsee zu parken. Da hier das Übernachten jedoch nicht erlaubt ist, sind wir weitergefahren.

Gegen eins fahren wir mit den Rädern Richtung Solnhofen. Bis hierher waren wir gestern aus der anderen Richtung gekommen. Heute kommen wir von Nordwesten und erleben eine ganz andere Landschaft: kein enges Flusstal mit markanten Felsformationen mehr sondern eine breite Flussaue, in der noch das Wasser der letzten Überflutung steht.

Wir lesen, dass dies ein Naturschutzprojekt zur Renaturierung der mittleren Altmühl ist. Die Vögel sind dankbar für diesen ungestörten Lebensraum. Möwen, Stare, Reiher und auch bereits ein paar Störche sehen wir unterwegs.

Kurz vor Treuchtlingen machen wir einen kurzen Abstecher zum Karlsgraben. Dieser wurde im Jahr 793 von Kaiser Karl dem Großen errichtet und sollte als Verbindungskanal zwischen Donau und Rhein über die Schwäbische Rezat und die Altmühl dienen. Ob und wie lange der Kanal tatsächlich benutzt wurde, ist nicht ganz klar.

Nun nähert sich der Radweg auch wieder öfters dem Fluss, wir queren Treuchtlingen und erreichen gegen halb fünf das hübsche Pappenheim.

Nach einer kurzen Pause beim Bäck beschließen wir, auf die letzten Kilometer bis Solnhofen zu verzichten und umzudrehen. Zeit wird es eh.

Es ist nicht mehr lange hin bis zum Sonnenuntergang.

Als wir in Gunzenhausen an einer Ladestation für E-Bikes ankommen, ist es finster. Wir können meinen Akku sicher in einem abschließbaren Ladefach verstauen. Morgen früh hole ich ihn wieder ab. Auf diese Weise kann ich morgen mit meinem E-Bike noch eine Tour machen, ehe wir am Abend nach Hause fahren. Gestern und vorgestern konnte ich auf dem Stellplatz laden, was heute nicht möglich ist. Gut, dass es diese Alternative gibt.

An der Altmühl

Ich schrieb neulich bereits, dass Achim mich ab und zu mit Spezialwissen verblüfft. So auch heute: da, wo wir gerade radeln, an der Altmühl bei Eichstätt, floss früher die Donau. Früher meint: ehe sie sich bei Weltenburg mit dem Donaudurchbruch vor rund 80 000 Jahren ein neues Bett gesucht hat. Ha! Wieder was gelernt.

Schon vor ein paar Tagen war absehbar, dass diese Woche warme und sonnige Tage bringen würde. Zu verlockend, wenn das fahrbare Hotelzimmer vor der Tür steht. Also Bus gepackt, (für zwei bis drei Tage ist das rasch erledigt) und los. Wir wollen Radfahren, da kam uns schnell das Altmühltal in den Sinn.

Unsere App Park4night empfiehlt einen Platz zum Übernachten am Figurenfeld bei Eichstätt. Den, und vor allem die Kunstwerke von Alois Wünsche-Mitterecker, einem Eichstätter Bildhauer, wollen wir uns anschauen.

Der Künstler schuf mit seinen 78 Plastiken ein beklemmendes Mahnmal gegen Krieg und Gewalt.

Der Parkplatz lädt uns nicht zum Verweilen ein, aber sehr zu unserer Überraschung ist der offizielle Wohnmobilstellplatz der Stadt Eichstätt geöffnet. Nach unseren bisherigen Informationen sollten wegen der Pandemie eigentlich alle Stellplätze geschlossen sein. Nun, mir ist das sehr recht. Noch immer bin ich kein großer Fan des Wildparkens. Also 10 Euro in den Automaten und als zweite auf den Platz, der direkt am Fluss liegt. Sehr günstig, schließlich wollen wir an ihm entlang radeln.

Zuvor genießen wir – endlich!- mal wieder das Busfeeling. Ich bereite ein schnelles Mittagessen zu und koche Kaffee.

Das Wetter ist nicht ganz so schön wie vorhergesagt. Bis Mittag hält sich der Nebel, die Sonne lugt erst ab etwa eins hervor und die Temperaturen erreichen wohl nur so die 13, 14 Grad. Das reicht aber locker zum Radfahren und die 50-Kilometer-Tour auf dem Altmühlradweg beglückt unser Coronalädiertes Gemüt. Der mäandernde Fluss, die karstigen Felsen, idyllische Dörfer und ein Automat mit zig Eissorten beflügeln uns. Das fühlt sich nach Wieder-Reisen-können an. Das macht Hoffnung auf bessere Zeiten!

Kleine Fluchten – Winterwanderung zum Rabenkopf

Langsam werden wir etwas hibbelig: der Bus steht vor der Tür, dick eingeschneit, aber von „touristischem Reisen“ wird immer noch dringend abgeraten. Also brechen wir aus mit einem Tagesausflug in die Berge. Da gibt es glücklicherweise genügend Platz, um allein unterwegs sein zu können. Achim beschreibt das in dem folgenden Blogbeitrag.

Vor ein paar Tagen habe ich noch einen kurzen Moppedausflug gemacht, trockene Straßen, acht Grad – und die Straßen relativ leer. Sehr schön. Zwei Tage später hat uns das Wetter dann auch im Süden der Republik mit Schnee beglückt, viel Schnee. Und obendrauf gab’s dann richtig winterliche Temperaturen. -10 Grad. Was für ein Unterschied. Ganz […]

Kleine Fluchten – Winterwanderung zum Rabenkopf

Ein Reiseblog zu Coronazeiten

Zu Coronazeiten ein Reiseblog zu unterhalten, ist ein schwieriges Unterfangen. Denn mit dem Reisen ist es derzeit bekanntlich nicht einfach bis unmöglich. Vor allem, wenn gerade mal wieder Lockdown ist, Hotels, Campingplätze und überhaupt (fast) alles geschlossen ist und wir zuhause bleiben müssen, um dieses Virus endlich in den Griff zu bekommen.

Was einem bleibt, ist die Erinnerung an schöne Reisen, die trotz Corona im Pandemie- Jahr 2020 möglich waren, und natürlich die kleinen, nahezu täglichen Ausflüge in der näheren Umgebung – damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt.

2020 begann gut mit einer mehrtägigen Reise ins Kleinwalsertal zum Schneeschuhwandern.

Ende Februar ging es zum dritten Mal in Folge ins Rainbow Children Home in Pokhara/Nepal, wo ich wunderbare drei Wochen mit „meinen“ Kindern und Goma, der umtriebigen Heimleiterin verbrachte, ehe ich dann wegen Corona Hals über Kopf abreiste und tatsächlich mit dem letzten Flieger nach Hause gelangte.

Dann kam der erste Lockdown und wir blieben daheim.

Sobald aber im Juni das Reisen wieder möglich war, ging es los. Eigentlich waren sieben Wochen Island geplant, stattdessen erkundeten wir mit unserem Wohnauto Westdeutschland – alles hier im Blog nachzulesen.

Anschließend ergab sich spontan die Möglichkeit, mit unseren Freunden Edda und Uli zwei Wochen an der Elbe zu radeln.

Für den Herbst war eigentlich Albanien geplant. Stattdessen ging es in den Osten Deutschlands. Zuerst in den Harz, dann mit dem Rad entlang der Unstrut und der Saale und schließlich an die Ostsee, um den Kranichzug zu bewundern.

Wir kamen Mitte Oktober zurück – seither sind wir zuhause.

Im November war das Wetter noch recht schön, so dass wir sogar noch Radtouren machen konnten, etwa nach München oder an den Ammersee.

Tagesausflüge zum Wandern in die Berge – unter der Woche waren wenig Leute unterwegs – gingen auch noch.

Nun ist wieder Lockdown und wir bewegen uns nur noch im näheren Umfeld, das aber regelmäßig.

Wunderbar zum Beispiel die Umgebung vom Schloss Hohenkammer, von wo aus man an der Glonn entlang zum Hochzeitsstein bei Obermarbach laufen kann. Die Runde dauert etwa zwei Stunden. Auf der Bank neben dem Hochzeitsstein kann man auch im Winter fein Picknick machen.

Zwischendurch laufen wir entlang der Isar oder durch den Weltwald bei Freising und entdecken immer wieder Neues und Interessantes.

Wir arbeiten uns Stück für Stück in alle Himmelsrichtungen um unseren Wohnort vor, gern auf der Suche nach neuen Eindrücken, erfreuen uns aber auch an Altbekanntem. Fast immer im Gepäck: ein Sitzkissen gegen den kalten Popo und ein kleines Picknick gegen das Hüngerchen und für die Seele.

Die Ziele werden uns auch in den nächsten Wochen nicht ausgehen, aber tief drinnen nagt es dann doch, das Fernweh. Eigentlich wären wir jetzt schon wieder unterwegs im Wohnbus, um ein paar Tage im Schnee zu verbringen. Eigentlich hätte ich jetzt schon mein Flugticket für Nepal im März in der Tasche. Eigentlich wollen wir im April wieder an die Ostsee, um den Kranichen bei ihren Hochzeitstänzen zuzuschauen. Eigentlich haben wir immer noch unser Fährticket für Island im Juni…

Ich bin gespannt, was davon möglich sein wird. Bis dahin muss ich mich mit Vorfreude, Reiseführern und Filmen begnügen. Und mich freuen, dass wir es warm und gemütlich zuhause haben, dass wir eine tolle Familie und wunderbare Freunde haben, sorgenfrei leben dürfen – und gesund sind.

Fast ein Ruhetag

Bei Schönebeck ist das älteste Soleheilbad Deutschlands. Ein guter Ort für einen Ruhetag. Immerhin liegen bereits 450 Radkilometer hinter uns. Da kann mindestens der Po eine Pause gebrauchen.

Unsere recht stylische und liebevoll geführte Unterkunft passt eigentlich gar nicht zu der sehr trostlos wirkenden Stadt, die wir nach dem Frühstück besuchen. Ein hässlicher Platz, dessen Funktion sich uns nicht erschließt, kein Café, die Supermärkte außerhalb. Nur direkt am Elbufer und in der Bahnunterführung ist es schön.

Mit dem Rad fahren wir ins Kurzentrum. Wir können wählen zwischen einem Zeitfenster von einer oder zwei Stunden, mehr ist wegen Corona nicht drin. Zwei Stunden reichen uns aber auch zum Plantschen im 36 Grad heißen Salzwasser oder ein paar Runden im kühleren Außenbecken.

Am Nachmittag machen wir uns auf ins 18 Kilometer entfernte Magdeburg. Dort kommen wir zwar morgen auch vorbei, aber heute Nachmittag haben wir etwas mehr Zeit zur Besichtigung des gotischen Doms, des Hundertwasserhauses und des Marktplatzes.

In Magdeburg werden bei mir Kindheitserinnerungen wach: meine Mutter stammt aus Oschersleben an der Bode und wir haben als Kinder oft unsere Ferien bei meiner Großmutter verbracht. Da wir kein Auto hatten, fuhren wir nachts mit dem Interzonenzug von Duisburg nach Magdeburg, wo wir in aller Herrgottsfrüh eintrafen und in der Bahnhofsgaststätte die zwei Stunden bis zur Abfahrt des Anschlusszugs nach Oschersleben verbrachten.

Wie befremdlich war es für mich, junge und ältere Männer um diese Uhrzeit beim Biertrinken zu sehen.

Wir runden unseren Magdeburgbesuch diesmal auch mit Bier ab. Beim Mückenwirt, direkt am Fluss gibt es außerdem ein sehr leckeres Abendessen, ehe wir die Rückfahrt nach Schönebeck antreten.

Zu Besuch bei Lisar

Sie empfängt uns mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre langen schwarzen Haare sind zu einem lustigen Knoten auf dem Kopf zusammengebunden, ihr weißer Anzug aus Leinen wird von einem mit einer prächtigen Muschel geschmückten Gürtel zusammengehalten. An den Füßen trägt sie Bastschuhe. Sie ist 1,45m groß, wurde vor über 7000 Jahren geboren und auf den Namen Lisar getauft, weil sie seit Oktober in Landau an der Isar den Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Museum Kastenhof bildet.

Die berühmten Kennis-Brüder aus Holland, die schon Ötzi oder den ersten Neandertaler gestaltet haben, rekonstruierten Lisar fürs Museum auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. „Lisar ist inzwischen die am besten untersuchte Person der Steinzeit im süddeutschen Raum“, sagt Ausstellungsmacher Simon Matzerath.

Mit vielen kreativen Ideen werden unsere Vergangenheit und ihre Verflechtungen mit der Gegenwart und unserer Zukunft in der Dauerausstellung erläutert.

Vielleicht ist es ab und zu ganz hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass unsere Urahnen Migranten aus dem Vorderen Orient waren, die auf der Suche nach einem besseren Leben hier heimisch wurden und den Umbruch vom Leben als nomadisch lebende Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern eingeleitet haben.

Das neue Museum ist allemal einen Ausflug wert, auch für Kinder dürfte es interessant sein (www.steinzeit-museum.de).

Abstecher zum wachsenden Felsen

Nach dem Museumsbesuch lockt ein Spaziergang an die Isar. Unweit von Landau entdecken wir den 37 Meter langen und bis zu 5,4 Meter hohen „Wachsenden Stein von Usterling“, die größte steinerne Rinne Bayerns.

Steinerne Rinnen sind Gebilde, die unter bestimmten Bedingungen an kleinen, stark kalkhaltigen Quellen aus Kalktuffablagerungen entstehen. Diese Rinne ist in über 5.000 Jahren gewachsen. Damit ist sie zwar jünger als Lisar, aber doch auch beeindruckend alt.

PS: Südafrika

Unsere Rückfahrt nach Johannesburg sieht rund 1000 Kilometer vor. Die allermeisten davon auf Asphalt.Wir lassen es erstmal langsam angehen und haben für die erste Übernachtung die Plato-Lodge in der Nähe der Augrabis-Wasserfälle gewählt. Die Überraschung ist groß, als wir inmitten der Steinwüste unsere Unterkunft entdecken.

Der Blick von der Terrase fällt auf Felsen und Geröll, zwischen denen sich Klippschliefer tummeln, die Murmeltieren ähneln, aber mit dem Elefanten verwandt sind. Die Räume sind äußerst geschmackvoll eingerichtet, auf den Balkonen sind handgefertigte Möbel und im Bad kupferfarbene Armaturen und eine breite Dusche, in der zwei Personen nebeneinander unter zwei Duschköpfen stehen können. Das Abendessen, das der junge Farmer Maans uns, seinen einzigen Gästen an diesem Tag, serviert, ist vorzüglich. Er brät Steaks auf dem Grill, dazu reicht er Country Potatoes und frischen Salat.

Sein Grundstück wird an einer Seite vom Oranje River begrenzt und er hat dort einen kleinen Badeplatz, erzählt er uns am nächsten Morgen beim Frühstück. Was wir denn für ein Auto hätten. Einen Toyota Fortuner, zwar kein Vierradantrieb aber mit zuschaltbarer Differentialsperre. Das müsste klappen, ermutigt Maans uns. “ Wenn Ihr in zwei Stunden nicht zurück seid, hole ich Euch“, versichert er uns.

Bald verstehen wir, was er meint. Die Piste ist sandig, am Anfang noch einigermaßen breit, nach einigen Kilometern wird sie enger und noch sandiger. Wenden wäre nicht möglich, also weiter, weiter, bis wir schließlich den Fluss erreichen. Auch auf der Rückfahrt wird alles gut gehen, wenn auch der Fahrer am Ende grinsend gesteht, dass bei dieser Kutschiererei sein Deo versagt habe…

Doch jetzt erstmal rein in die Fluten. Das Wasser ist warm und weich und hat eine recht starke Strömung. Es wäre herrlich, sich bis Oranjemund, wo er in den Atlantik mündet, treiben zu lassen.

Doch auf uns wartet noch ein südafrikanischer Nachschlag zu unserer Namibiareise, die Augrabisfällle, eine ebenfalls vom Oranje River geformte Schlucht mit einem großen und weiteren kleineren Wasserfällen, die wir bei einer Wanderung erkunden.

Am Abend erreichen wir Upington mit der längsten Palmenallee Afrikas und den besten Steaks überhaupt.

Nächste Woche gibt es kein Fleisch und keinen Alkohl, aber bis dahin genießen wir noch.

Fishriver Canyon

Er ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Damit steht der Fishriver Canyon im Süden Namibias gleich hinter seinem großen amerikanischen Bruder, dem Grand Canyon in Arizona. Er ist unsere letzte Station in diesem beeindruckenden Land, dessen Gäste wir in den vergangenen drei Wochen waren.Eindrucksvoll beweist er uns einmal mehr wie kraftvoll die Landschaft in diesem Land ist, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ob Wüste, Berge, Meer, Salzpfanne, Savanne oder eben diese 160 Kilometer lange, 27 m breite und bis zu 500 m tiefe Schlucht, die der Fischfluss vor Jahrmillionen geformt hat. Oder aber eine Schlange, wie es sich die Nama erzählen. Das von Jägern verfolgte Tier wand und schlängelte sich schwer verwundet so heftig im Wüstensand, dass die Erde aufriss und die Schlange in diesem Graben verschwand.Der Anblick der imposanten Felsformationen des Fishriver Canyon rundet die Vielzahl der Eindrücke, die wir in Namibia gewonnen haben, perfekt ab. Wunderschöne Landschaften, eine spannende Tierwelt, freundliche Menschen. Eine wertvolle Reiseerfahrung, die uns bald schon schönste Erinnerungen bescheren wird.

Pinguine in Afrika

Mir wird ganz mulmig bei Pits Gerede. Der smarte Skipper, Dreitagebart, Zopf, meint ganz lässig: “ Lieber wäre es mir, wenn ich heute gar keine Kunden hätte.“ Wie bitte? „Draußen ist die Dünung derzeit sehr stark. Es wird ordentlich schaukeln“, menetekelt der gebürtige Namibier in breitem Hamburger Akzent.

Erinnerungen an meine mehrtägige Seekrankheit vor der kanadischen Küste werden wach. Damals war ich mit dem Weltumsegler Rollo Gebhardt auf einem zweimastigen Segelboot unterwegs. Es ging mir hundeelend.

Nun, heute werden wir nur zwei Stunden unterwegs sein. Unser Ziel ist Halifax Island, eine der Pinguininseln vor der namibischen Küste.

Da hat er wohl ein wenig übertrieben, unser Käptn. Der Atlantik ist zwar nicht das Mittelmeer, aber heute nicht allzu kabbelig, so dass wir es gut aushalten können.

Wir steuern zuerst den Diaz- Point an. Hier setzte der portugiesische Seefahrer 1487 als erster Europäer seinen Fuß aufs Festland. Gestern waren wir hier bereits mit dem Auto, begeistert von der Schönheit der Landschaft. Das ist überhaupt einer unserer Standardsprüche zurzeit: „Das ist soooo schön hier, da wirst du besoffen von.“

Und dann geht es Richtung Pinguine. Ehrlich, ich wusste bisher nicht, dass auch in Afrika Pinguine leben. Antarktis, Eis, Kälte, ja. Aber hier? Ja. Die Brillenpinguine leben vor der afrikanischen Küste. Wie viele andere Tiere stehen leider auch sie inzwischen auf der Roten Liste. Aber noch gibt es sie und wir haben die große Freude, sie vom Boot aus beobachten zu dürfen.

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es in Afrika mehr als zwei Millionen Exemplare. In den fünfziger Jahren sollen es immerhin noch rund 300.000 afrikanische Pinguine gewesen sein. „Heute gibt es in Afrika wahrscheinlich weniger als 20.000 Pinguinpaare“, sagt Vogelschützer Ross Wanless von der Organisation Bird-Life South Africa in Kapstadt: „Wenn es so weitergeht, werden diese Tiere in freier Wildbahn bald ausgestorben sein.“
Woran der rasante Rückgang der Population liegt, wissen die Forscher nicht. „Möglicherweise liegt es daran, dass die Pinguine wegen der Überfischung immer weniger Nahrung finden“, vermutet Ross Wanless.

Wir gucken und freuen uns und fotografieren, was das Zeug hält. Pit hat mittlerweile Entwarnung gegeben, keine raue See heute – und serviert uns einen Becher köstliche heiße Schokolade.

Diamantengeister

Früh am Morgen fährt der kleine Zug durch den Ort. Er hält an jedem Haus und liefert 20 Liter Trinkwasser pro Nase sowie einen halben Block Eis pro Haushalt. Auf der Rückfahrt nimmt er die Frauen in ihren langen Kleidern und großen Hüten mit. Sie fahren zum Einkaufen in einen Laden, in dem es alles gibt: Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleider, Schulmaterial. Sogar Möbel. Alles aus Deutschland.

Nebenan beim Fleischer werden Brat- und Bockwürste, Aufschnitt, Eisbein verkauft. Da seine Kühlkammer an die Eisfabrik angrenzt, ist seine Ware immer wohl temperiert. Angeblich ist er der Einzige weit und breit, der dieses Angebot machen kann.

Am Nachmittag besuchen die Frauen die Patienten im örtlichen Krankenhaus.

Und am Abend, wenn die Männer aus der Mine zurück sind, trifft man sich vielleicht in der Halle, die tagsüber für die Kinder zum Turnen und abends für Theater- und Musikdarbietungen genutzt wird.

Wenn der Mann nicht zu müde ist, könnte man auch zum Kegeln gehen. Das Kindermädchen passt derweil auf die Kleinen auf.

Die Firma tut Vieles für das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter und ihrer Familien. Das tut auch not, denn die Arbeit ist hart und die Lebensbedingungen sind rau. Heiß, trocken und staubig. Hier lebt man ohne weitere Familienangehörige, ohne Freunde.

Es war im Jahr 1908, als der Bahnwärter Augut Stauch hier den ersten Diamanten fand. In Nullkommanichts sprach sich der Fund herum und die Glücksritter kamen in Scharen. Und sie hatten wirklich Glück, denn in der ersten Zeit lagen die Diamanten an der Oberfläche und konnten leicht gefunden werden.

Bald schon wollten auch die deutschen Kolonialherren ihren Anteil am großen Geld. Schließlich wurde eine Firma gegründet, rund 300 Familien, die meisten aus Deutschland, kamen ins kleine Kolmannskuppe, in die namibische Wüste, zehn Kilometer vom am Atlantik gelegenen Lüderitz entfernt.

20 Prozent der Weltdiamantenproduktion kamen 1914 allein von hier. 1930 wurde der Diamantenabbau in Kolmannskuppe eingestellt und die Mine geschlossen. Die Bewohner zogen in die neuen südlich gelegenen Minenstädte, nach Lüderitz oder zurück nach Deutschland und die Wanderdünen der Namib eroberten die Stadt.

Wo einst feine Damen ihre Feste gaben, hat heute der Sand die Herrschaft in den Salons übernommen.