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Ich war noch nicht überall,aber es steht auf meiner Liste

Eine Schildkröte und viele Störche

Wie schön ist es, morgens wach zu werden und sich auf den Tag freuen zu können. Da sich unser Frischwassertank wegen der immer noch niedrigen Nachttemperaturen selbsttätig entleert hat (Frostschutz!), mache ich im Miniwaschbecken unseres Minibads eine Katzenwäsche. Wir haben ja zum Glück einen 10-Liter-Wassertank zum Kochen und Waschen an Bord. Dann schwinge ich mich auf mein akkuloses Fahrrad, um eben diesen aus der zwei Kilometer entfernten Ladestation zu holen.

Dabei entdecke ich die ersten Störche des Tages.

Mein Akku ist wieder voll und im Supermarkt nebenan gibt es Frühstücksbrötchen. Der beste aller Männer hat den Kaffee schon fertig und den Frühstückstisch gedeckt.

Heute sind wir schon gegen halb elf startbereit für unsere letzte Etappe auf dem Altmühlradweg: 30 Kilometer bis Herrieden. Zuerst aber verschwindet der Fluss im Altmühlsee. Es ist ein künstlich angelegter See, der 1985 geflutet wurde. Er ist Teil eines Regulierungssystems, das Wasser aus dem wasserreichen Flusssystem des Donaueinzugsgebiets unter der Europäischen Hauptwasserscheide hindurch in das wasserärmere Regnitz-Main-Gebiet überführt.

Touristisch wird der See intensiv genutzt. Er ist ideal zum Segeln, Surfen und Baden an den zahlreichen Liegewiesen, Bade- und Sandstränden. Auch heute Vormittag sind etliche SpaziergängerInnen, Rollerblader und RadlerInnen unterwegs.

Zum Baden und Bootfahren ist es trotz des sonnigen Wetters leider noch zu kalt, aber ein Hinweisschild auf einen Spazierweg durch die Vogelfreistätte interessiert uns.

Über einen hölzernen Steg gelangt man auf eine kleine Insel, auf der man über einen schmalen eineinhalb Kilometer langen Pfad geleitet wird. Von einem Beobachtungsturm aus kann man heute vor allem Gänse, Enten und Reiher, aber auch Kiebitze sehen.

Eine Überraschung für uns ist eine große Wasserschildkröte, die in der Sonne döst.

Wir gucken ihr ein bisschen beim Gucken zu und gehen zurück zu unseren Rädern. Die Auenlandschaft ähnelt der, die wir gestern gesehen haben. Das Radfahren bei den frühlingshaften Temperaturen ist reine Freude.

Herrieden erreichen wir am frühen Nachmittag. Schön, dass wir eine Metzgerei finden, die Leberkässemmeln im Angebot hat.

Unterwegs sehen wir immer wieder Störche, in ihren Nestern, auf den Wiesen. Da tut es mir leid, dass ich meine Kamera nicht dabei habe und deshalb kein besseres Foto liefern kann.

Um halb fünf sind wir zurück in Gunzenhausen, montieren die Räder auf den Bus und machen uns auf den Heimweg. Allzu lang werden wir wohl nicht zuhause bleiben…

Auenlandschaft

Den Fluss sehen wir heute erst, nachdem wir rund 25 Kilometer geradelt sind. Die mittlere Altmühl kann sich in riesigen Auen ausbreiten und der Radweg wird mitten durchgeführt.

Heute Mittag haben wir den Bus auf einem Parkplatz neben der Stadthalle in Gunzenhausen abgestellt. Vorher haben wir vergeblich versucht, am Brombach- und am Altmühlsee zu parken. Da hier das Übernachten jedoch nicht erlaubt ist, sind wir weitergefahren.

Gegen eins fahren wir mit den Rädern Richtung Solnhofen. Bis hierher waren wir gestern aus der anderen Richtung gekommen. Heute kommen wir von Nordwesten und erleben eine ganz andere Landschaft: kein enges Flusstal mit markanten Felsformationen mehr sondern eine breite Flussaue, in der noch das Wasser der letzten Überflutung steht.

Wir lesen, dass dies ein Naturschutzprojekt zur Renaturierung der mittleren Altmühl ist. Die Vögel sind dankbar für diesen ungestörten Lebensraum. Möwen, Stare, Reiher und auch bereits ein paar Störche sehen wir unterwegs.

Kurz vor Treuchtlingen machen wir einen kurzen Abstecher zum Karlsgraben. Dieser wurde im Jahr 793 von Kaiser Karl dem Großen errichtet und sollte als Verbindungskanal zwischen Donau und Rhein über die Schwäbische Rezat und die Altmühl dienen. Ob und wie lange der Kanal tatsächlich benutzt wurde, ist nicht ganz klar.

Nun nähert sich der Radweg auch wieder öfters dem Fluss, wir queren Treuchtlingen und erreichen gegen halb fünf das hübsche Pappenheim.

Nach einer kurzen Pause beim Bäck beschließen wir, auf die letzten Kilometer bis Solnhofen zu verzichten und umzudrehen. Zeit wird es eh.

Es ist nicht mehr lange hin bis zum Sonnenuntergang.

Als wir in Gunzenhausen an einer Ladestation für E-Bikes ankommen, ist es finster. Wir können meinen Akku sicher in einem abschließbaren Ladefach verstauen. Morgen früh hole ich ihn wieder ab. Auf diese Weise kann ich morgen mit meinem E-Bike noch eine Tour machen, ehe wir am Abend nach Hause fahren. Gestern und vorgestern konnte ich auf dem Stellplatz laden, was heute nicht möglich ist. Gut, dass es diese Alternative gibt.

Frühling am Fluss

Ach, einfach hier liegen bleiben und nicht mehr weiterradeln. Den Nachmittag genießen, in der Sonne wegdösen. Wieder hat die Sonne fast bis Mittag gebraucht, um sich gegen den Nebel durchzusetzen, aber dann wurde es frühlingshaft warm.

Wir blicken auf die Zwölf Apostel, eine Felsformation an der Altmühl bei Solnhofen. Die mächtig aufragende Felsgruppe ist einer der landschaftlichen Höhepunkte im Naturpark Altmühltal.

Aber auch ansonsten gibt es viel zu schauen im Altmühltal. Immer wieder ragen Felsen am Ufer empor. Wir queren Magerrasen, Wälder und landwirtschaftlich genutzte Flächen, während wir gemütlich von Eichstätt gen Westen nach Solnhofen fahren.

Auch die Schwäne lassen es langsam angehen.

Am Tagesziel Solnhofen, der Stadt, in der der Urvogel, der Archaeopteryx, gefunden wurde, decken wir uns mit Kaffee und Kuchen ein. Auf einem Mäuerchen am Fluss machen wir Kaffeepause. Man kann schon ein bisschen wehmütig werden, wenn man an all den geschlossenen Cafés, Wirtschaften und Biergärten vorbeifährt.

Geschlossen war leider auch der Skulpturenpark in Obereichstätt und wir konnten nur ein paar Blicke von außen auf einige der Kunstwerke Alf Lechners werfen. Der 1925 in München geborene Künstler lebte und arbeitete hier von 2001 bis zu seinem Tod 2017 mit seiner Frau Camilla. Auf dem Gelände eines ehemals Königlich Bayerischen Eisenhüttenwerks schuf er ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk mit über 50 Stahlskulpturen.

Den Tag lassen wir mit einem Gläschen Wein, Bloggen, einem leckeren Abendessen und einer Folge Damengambit ausklingen.

Morgen wollen wir mit dem Bus ein wenig weiterziehen, um die weiteren Abschnitte der Altmühl mit dem Rad zu erkunden.

An der Altmühl

Ich schrieb neulich bereits, dass Achim mich ab und zu mit Spezialwissen verblüfft. So auch heute: da, wo wir gerade radeln, an der Altmühl bei Eichstätt, floss früher die Donau. Früher meint: ehe sie sich bei Weltenburg mit dem Donaudurchbruch vor rund 80 000 Jahren ein neues Bett gesucht hat. Ha! Wieder was gelernt.

Schon vor ein paar Tagen war absehbar, dass diese Woche warme und sonnige Tage bringen würde. Zu verlockend, wenn das fahrbare Hotelzimmer vor der Tür steht. Also Bus gepackt, (für zwei bis drei Tage ist das rasch erledigt) und los. Wir wollen Radfahren, da kam uns schnell das Altmühltal in den Sinn.

Unsere App Park4night empfiehlt einen Platz zum Übernachten am Figurenfeld bei Eichstätt. Den, und vor allem die Kunstwerke von Alois Wünsche-Mitterecker, einem Eichstätter Bildhauer, wollen wir uns anschauen.

Der Künstler schuf mit seinen 78 Plastiken ein beklemmendes Mahnmal gegen Krieg und Gewalt.

Der Parkplatz lädt uns nicht zum Verweilen ein, aber sehr zu unserer Überraschung ist der offizielle Wohnmobilstellplatz der Stadt Eichstätt geöffnet. Nach unseren bisherigen Informationen sollten wegen der Pandemie eigentlich alle Stellplätze geschlossen sein. Nun, mir ist das sehr recht. Noch immer bin ich kein großer Fan des Wildparkens. Also 10 Euro in den Automaten und als zweite auf den Platz, der direkt am Fluss liegt. Sehr günstig, schließlich wollen wir an ihm entlang radeln.

Zuvor genießen wir – endlich!- mal wieder das Busfeeling. Ich bereite ein schnelles Mittagessen zu und koche Kaffee.

Das Wetter ist nicht ganz so schön wie vorhergesagt. Bis Mittag hält sich der Nebel, die Sonne lugt erst ab etwa eins hervor und die Temperaturen erreichen wohl nur so die 13, 14 Grad. Das reicht aber locker zum Radfahren und die 50-Kilometer-Tour auf dem Altmühlradweg beglückt unser Coronalädiertes Gemüt. Der mäandernde Fluss, die karstigen Felsen, idyllische Dörfer und ein Automat mit zig Eissorten beflügeln uns. Das fühlt sich nach Wieder-Reisen-können an. Das macht Hoffnung auf bessere Zeiten!

Kleine Fluchten – Winterwanderung zum Rabenkopf

Langsam werden wir etwas hibbelig: der Bus steht vor der Tür, dick eingeschneit, aber von „touristischem Reisen“ wird immer noch dringend abgeraten. Also brechen wir aus mit einem Tagesausflug in die Berge. Da gibt es glücklicherweise genügend Platz, um allein unterwegs sein zu können. Achim beschreibt das in dem folgenden Blogbeitrag.

Vor ein paar Tagen habe ich noch einen kurzen Moppedausflug gemacht, trockene Straßen, acht Grad – und die Straßen relativ leer. Sehr schön. Zwei Tage später hat uns das Wetter dann auch im Süden der Republik mit Schnee beglückt, viel Schnee. Und obendrauf gab’s dann richtig winterliche Temperaturen. -10 Grad. Was für ein Unterschied. Ganz […]

Kleine Fluchten – Winterwanderung zum Rabenkopf

Ein Reiseblog zu Coronazeiten

Zu Coronazeiten ein Reiseblog zu unterhalten, ist ein schwieriges Unterfangen. Denn mit dem Reisen ist es derzeit bekanntlich nicht einfach bis unmöglich. Vor allem, wenn gerade mal wieder Lockdown ist, Hotels, Campingplätze und überhaupt (fast) alles geschlossen ist und wir zuhause bleiben müssen, um dieses Virus endlich in den Griff zu bekommen.

Was einem bleibt, ist die Erinnerung an schöne Reisen, die trotz Corona im Pandemie- Jahr 2020 möglich waren, und natürlich die kleinen, nahezu täglichen Ausflüge in der näheren Umgebung – damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt.

2020 begann gut mit einer mehrtägigen Reise ins Kleinwalsertal zum Schneeschuhwandern.

Ende Februar ging es zum dritten Mal in Folge ins Rainbow Children Home in Pokhara/Nepal, wo ich wunderbare drei Wochen mit „meinen“ Kindern und Goma, der umtriebigen Heimleiterin verbrachte, ehe ich dann wegen Corona Hals über Kopf abreiste und tatsächlich mit dem letzten Flieger nach Hause gelangte.

Dann kam der erste Lockdown und wir blieben daheim.

Sobald aber im Juni das Reisen wieder möglich war, ging es los. Eigentlich waren sieben Wochen Island geplant, stattdessen erkundeten wir mit unserem Wohnauto Westdeutschland – alles hier im Blog nachzulesen.

Anschließend ergab sich spontan die Möglichkeit, mit unseren Freunden Edda und Uli zwei Wochen an der Elbe zu radeln.

Für den Herbst war eigentlich Albanien geplant. Stattdessen ging es in den Osten Deutschlands. Zuerst in den Harz, dann mit dem Rad entlang der Unstrut und der Saale und schließlich an die Ostsee, um den Kranichzug zu bewundern.

Wir kamen Mitte Oktober zurück – seither sind wir zuhause.

Im November war das Wetter noch recht schön, so dass wir sogar noch Radtouren machen konnten, etwa nach München oder an den Ammersee.

Tagesausflüge zum Wandern in die Berge – unter der Woche waren wenig Leute unterwegs – gingen auch noch.

Nun ist wieder Lockdown und wir bewegen uns nur noch im näheren Umfeld, das aber regelmäßig.

Wunderbar zum Beispiel die Umgebung vom Schloss Hohenkammer, von wo aus man an der Glonn entlang zum Hochzeitsstein bei Obermarbach laufen kann. Die Runde dauert etwa zwei Stunden. Auf der Bank neben dem Hochzeitsstein kann man auch im Winter fein Picknick machen.

Zwischendurch laufen wir entlang der Isar oder durch den Weltwald bei Freising und entdecken immer wieder Neues und Interessantes.

Wir arbeiten uns Stück für Stück in alle Himmelsrichtungen um unseren Wohnort vor, gern auf der Suche nach neuen Eindrücken, erfreuen uns aber auch an Altbekanntem. Fast immer im Gepäck: ein Sitzkissen gegen den kalten Popo und ein kleines Picknick gegen das Hüngerchen und für die Seele.

Die Ziele werden uns auch in den nächsten Wochen nicht ausgehen, aber tief drinnen nagt es dann doch, das Fernweh. Eigentlich wären wir jetzt schon wieder unterwegs im Wohnbus, um ein paar Tage im Schnee zu verbringen. Eigentlich hätte ich jetzt schon mein Flugticket für Nepal im März in der Tasche. Eigentlich wollen wir im April wieder an die Ostsee, um den Kranichen bei ihren Hochzeitstänzen zuzuschauen. Eigentlich haben wir immer noch unser Fährticket für Island im Juni…

Ich bin gespannt, was davon möglich sein wird. Bis dahin muss ich mich mit Vorfreude, Reiseführern und Filmen begnügen. Und mich freuen, dass wir es warm und gemütlich zuhause haben, dass wir eine tolle Familie und wunderbare Freunde haben, sorgenfrei leben dürfen – und gesund sind.

Kraniche umkreisen

Auf unserer Suche nach den besten Kranichbeobachtungsspots sind wir auf zwei wunderbare Orte gestoßen: Barhöft und Linum.

Während Barhöft nur fünf Kilometer Luftlinie vom Inselchen Ummanz entfernt ist, liegt Linum knapp 300 Kilometer weiter südlich. Doch der Reihe nach.

Barhöft hatten wir neulich schon mal mit den Rädern angesteuert, als wir ein paar Tage auf dem Campingplatz „Drei Birken“ am Bodden waren. Da wir aber zum abendlichen Kranichspektakel, bei dem sie von ihren Futter- zu ihren Schlafplätzen fliegen, zu spät dort angekommen wären, hatten wir uns für einen anderen Beobachtungspunkt entschieden.

Diesmal fahren wir mit dem Bus dorthin und entdecken einen idyllischen kleinen Hafen.

Der Hafen in Barhöft

Gleich nebenan ist ein Womo-Stellplatz – und die „Proviantkiste“ mit leckeren Matjesbroten (bzw. Bockwurst für Achim).

Am Abend dann das Schauspiel vor dramatischem Abendhimmel. Kraniche, Bodden, Sonnenuntergang. Besser geht’s nicht.

Am nächsten Tag fahren wir nach Linum. Tagesaktueller Kranichstand: 57 700! Davon hatten wir im Internet gelesen. Linum ist ein kleines Dorf bei Fehrbellin, etwa 40 Kilometer nordwestlich von Berlin. Hier rasten die Vögel regelmäßig, weil sie im Naturschutzgebiet Oberes Rhinluch finden, was sie brauchen: große relativ ungestörte Flächen voller kniehohem Wasser für den ungestörten Nachtschlaf.

Hier dürfen wir unser Auto nicht nur neben sondern im Hafen abstellen und erleben in der Folge das gechillteste Kranichgucken ever.

Ein paar Vogelfreunde versammeln sich am Abend im Garten des Seelokals gleich nebenan. Der Wirt entzündet ein paar Feuerkörbe und wir warten. Und sie kommen. Ein paar Tausend. In Gruppen von zehn bis 40 Tieren ziehen sie über uns hinweg. Es ist eiskalt, wir schauen bibbernd in den Himmel und nehmen uns vor, nächstes Jahr im April wiederzukommen, wenn die Kraniche aus dem Süden zurückkehren. Dann können wir sie bei der Balz und ihren Tänzen beobachten. Jetzt fahren wir erstmal nach Hause.

Ummanz, das Inselchen neben Rügen

Einmal rum sind elf Kilometer. Und da es auf Ummanz nicht viele Straßen und Wege gibt, schaffen wir es in zwei Tagen, die ganze Insel abzuradeln.

Was es hier gibt ist jede Menge Wasser und Wald. Und Kraniche. Klar. Wir haben gelernt, dass ein Kranich auf jeder Feder ein Auge hat. Das ist eine hübsche Umschreibung dafür, dass er sehr scheu und schreckhaft ist und sofort auffliegt, wenn man ihm zu nahe kommt.

Das ist hier auf dem Inselchen fast nicht zu vermeiden. Denn plötzlich stehen die Kraniche auf dem Feld, auf das man gerade zuradelt und schon ist es passiert. Mehr als entzückt hingucken und einen Schnappschuss machen, ist nicht drin.

Obwohl in Mecklenburg-Vorpommern gerade Herbstferien sind und zudem die Hochzeit für die Kranichbeobachtung, ist nicht viel Betrieb und wir landen auf unserem Campingplatz – fast – in der ersten Reihe mit Meerblick.

Morgens und abends ist es bei neun Grad zu kalt, um draußen zu sitzen. Aber wir können beim Frühstück durchs große Seitenfenster aufs Wasser blicken.

Am Nachmittag hält man es dick eingemummelt auf der Bank am Deich gut aus.

Auf Ummanz gibt es nur einen etwas größeren Ort. Hier gibt es eine hübsche kleine Kirche, eine Touristinformation, die 250 m lange Brücke, die die Insel mit Rügen verbindet und ein Café mit tollen Torten und Windbeutel in Schwanenform.

Fast noch besser als der Kuchen ist die Aussicht beim Kaffeetrinken. Zwei Tage sind wir auf der Insel, zweimal waren wir in diesem Café. Morgen müssen wir dringend die Kalorienzufuhr drosseln und ziehen deshalb weiter. Nach Barhöft am Bodden. Kraniche gucken.

Im Künstlerdorf Ahrenshoop

Vor zwei Jahren haben wir uns in der Gemäldegalerie Dachau die Ausstellung „Ahrenshoop – Die Künstlerkolonie an der Ostsee“ angeschaut. Gestern waren wir in Ahrenshoop und haben uns die Bilder vor Ort angeschaut.

Im alten Kunstkaten wurden ab 1909 die Bilder der Künstlerinnen und Künstler ausgestellt, die seit Ende des 19. Jahrhunderts in den kleinen Ort auf dem schmalen Landstreifen zwischen Meer und Bodden kamen, wo bis dahin nur Fischer und Schiffer lebten. Sie waren begeistert von seiner landschaftlichen Schönheit und vor allem der dort herrschenden Ruhe und machten Ahrenshoop zum Mittelpunkt ihres Schaffens.

Heutzutage bietet der Kunstkaten immer noch ein wechselndes Ausstellungsprogramm.

Uns aber zieht es ins 2013 eröffnete Kunstmuseum, in dem rund 800 Exponate von Malerinnen und Malern gezeigt werden, die vor mehr als 100 Jahren hier in Ahrenshoop gearbeitet haben. Einige der Bilder sind auch in Dachau gezeigt worden, wie beispielsweise diese hübsche Tänzerin.

Auch VertreterInnen der Klassischen Moderne und KünstlerInnen aus DDR-und Nachwendezeiten sind im Museum vertreten.

Es beeindruckt mich sehr, dass das Museum durch bürgerschaftliche Initiative entstand und von einem gemeinnützigen Verein ohne öffentliche Zuschüsse betrieben wird.

Zwischen Zingst, wo seit einigen Tagen unser Bus steht, und Ahrenshoop liegen 20 Kilometer. Wir sind von dort mit den Rädern am Strand, durch den Wald, und am Bodden entlang gefahren und haben einen weiteren Einblick in die wunderbare Landschaft, die all diese KünstlerInnen inspiriert hat, gewonnen.

Das Bild unten entstand mittags vor unserem Museumsbesuch. Danach kam der Regen, sehr viel Regen.

Mississippi oder Prerowstrom?

Ob sie wohl manchmal davon träumt, wie ihre Schwestern auf dem Mississippi statt auf dem Prerowstrom zu schippern?

Als wir am Tag zuvor den schmucken Schaufelraddampfer Baltic Sea im Bodden sahen, trauten wir unseren Augen kaum. Doch der Wunsch „Das will ich auch!“ war sofort da. Im Internet fanden wir heraus, dass das hübsche Schiff zur Reederei Poschke gehört und auch in der Nachsaison täglich zweimal zu einer zweistündigen Tour in den Bodden startet. Diesmal mit uns an Bord.

Wir albern herum, freuen uns über den Milchreis (in den Zingster Cafés hatten wir keinen entdeckt – ist vielleicht eher nordseeisch?) und gehen dann an Deck, um die Landschaft zu genießen und zu fotografieren.

Der Käptn erläutert derweil, was wir rechts und links sehen – oder auch nicht. Weder der Seeadler noch eine der beiden hier heimischen Kegelrobben lassen sich blicken.

Nicht schlimm. Baltic Star und Bodden sind Highlights genug für einen Nachmittag.