Kinder, Kinder

Wie schnell ich wieder in diese Kinderwelt eingetaucht bin. Es ist nun das dritte Mal, dass ich hier im Rainbow Kinderheim in Pokhara/Nepal bin und nach knapp 30 Stunden fühlt es sich an wie letztes Jahr. Oder vorletztes. Zumindest was die Intensität angeht.

Als ich gestern Nachmittag hier aufkreuzte, ertönte ein vielstimmiges „Eva! Eva!“ und ein Kind nach dem anderen, ob groß oder klein, Mädchen oder Junge, fiel mir um den Hals (oder den Bauch, denn manche sind so klein, dass sie nicht an meinen Hals kommen).

Einige Veränderungen gibt es aber natürlich doch. Bhabu, die supersympathische Sekretärin hat uns verlassen, weil sie ein Stipendium für die Uni in Neuseeland bekommen hat. Ebenso Moti, unser Fahrer, der einen guten Job auf einer Farm im Dorf seiner Frau und seiner Kinder angenommen hat.

Einige der großen Kinder sind dank ihres Paten aus USA in eine eigene Wohnung gezogen, neue, kleine Kinder sind ins Heim gekommen.

Heute ist Samstag, das heißt die Kinder müssen nicht in die Schule (nur samstags! Sonntag ist hier normaler Arbeits- und Schultag). Und so haben wir viel Zeit. Ich packe erstmal eines der Spiele aus, die ich mitgebracht hatte. Ich habe im Internet einen Film gesehen, in dem junge indische Mönche dieses Spiel spielten und es für unsere Kinder nachgemacht. Wir haben es anschaulich „Feet, hand, jump“ getauft.

Als Amanda, die andere Volontärin, auftaucht, gehen wir an den See. Nur knappe zehn Minuten sind es vom Kinderheim zum Fewa-See, von dem aus man an klaren Tagen den heiligen Berg Nepals, den Macchapuchre (Fishtail) und andere Gipfel des Himalayas sieht.

„I need big toilet!“, vertraut Nishan mir nach einer Weile an und schaut schon recht verkniffen drein. So gehe ich mit ihm in eins der zahlreichen kleinen Cafés, die hier das Ufer säumen. Der Wirt quetscht mich gleich aus, wer ich sei, was ich hier mache und mit wie viel Kindern ich denn da sei. Meine Antwort „Mit 15!“ hält ihn nicht davon ab, uns auf eine Runde Saft für alle auf seine hübsche Dachterrasse einzuladen.

Auch ein von uns zerbrochenes Glas trübt seine gute Laune nicht. Er legt eine CD mit nepalesischer Musik auf und die Kinder tanzen.

Die Sonne scheint, es ist warm, 22 Grad, und wir setzen unseren Spaziergang entlang des Sees fort. Ich beglücke nun auch noch den jungen Zuckerwatteverkäufer (und die Kinder natürlich).

Was man hier auch alles beobachten kann: die Paraglider, die Bootfahrer, Essensverkäufer, Flaneure, Glücksspieler, Eisverkäufer, Tatoomacher, Schmuckverkäufer, Hunde, Fische und einen Eisvogel haben wir auch gesehen. Den hat Dipson mit einem Stein verjagt. Nein, es ist nicht alles nur Idylle. Ja, ich habe ihm gesagt…

Nach x Stunden sind wir wieder daheim. Müde, staubig, durstig und mit ein bisschen Sonnenbrand auf meiner weißen Haut.

Nun ist noch das Triomino, eine Art dreidimensionales Domino, an der Reihe. Hierbei sind Ruhe und Aufmerksamkeit gefordert.

Nochmal in den kleinen Park nebenan, Seilspringen, Frisbee und Basketball spielen. „Da ist doch aber gar kein Korb“, sage ich verwundert zu Sushil. Stimmt, aber in einem der riesigen Bäume dort ist ein Loch, das dieselbe Funktion erfüllt.

Zum Abschluss des Tages sitze ich noch mit den kleinen Mädchen zusammen und wir singen. Ein Lied auf Nepali, eins auf Deutsch. Mein Repertoire ist gewagt. Es handelt von der Mühle am rauschenden Bach, die so schön klipp, klapp macht, von der Wanze auf der Mauer und vom Brauhaus in München. Oans , zwoa, drei, gsuffa.

2 Gedanken zu „Kinder, Kinder

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