These boots are made for walking… Tag 14 (Schwebda – Ershausen, 15 km)

Achims Bein hat sich fein ausgeruht. Es geht wieder, so dass wir wieder gehen können. Zunächst aber fahren wir ein Stück mit dem Schienenbus der Thüringischen Eisenbahnen von Bad Salzungen nach Eisenach. Dann mit dem Bus weiter nach Schwebda, eine Station vor Eschwege. Auf diese Weise überbrücken wir in zweieinhalb Stunden rund 80 Kilometer. In den nächsten vier Tagen wollen wir durch den Naturpark Eichsfeld – Hainichen zu meiner Schwiegermama nach Göttingen laufen.

In Schwebda gibt es erst nochmal einen Kaffee zur Aufmunterung. Nein, so weit nördlich sind wir noch nicht, auch wenn es der Strandkorb im Cafégarten suggeriert.

Wir kaufen nebenan noch zwei belegte Brötchen zum Mittagessen ein und machen uns um viertel vor elf auf den Weg. Der führt uns erstmal bei gefühlten 30 Grad in praller Sonne über eine Asphaltstraße. Nach etwa einer halben Stunde tauchen wir in den Wald ein und müssen erstmal steil bergauf. Meine Motivation sinkt parallel dazu in den Keller. Mir ist heiß, mein Rucksack ist heute 20 Kilo schwerer als an den anderen Wandertag und dieser dumme Strandkorb hat mich auf ebenso dumme Gedanken gebracht: „Wieso renne ich jetzt hier eigentlich durch den Wald? Ich könnte jetzt sooo schön irgendwo am Strand liegen!“

Ein paar Infotafeln am Wegesrand lenken mich von meinem Selbstmitleid ab. Wir lernen, dass für das Eichsfeld Muschelkalkplateaus mit tief eingeschnittenen Tälern charakteristisch sind. Leider werden wir das aber erst morgen sehen, lerne ich von Achim. Nun ja. Ich erfahre weiterhin, dass wir wieder auf dem „grünen Band“ sind, dem Wanderweg entlang der ehemaligen Zonengrenze und ich lese den schönen Text, dass sie aus dem ehemaligen Todesstreifen einen Lebensstreifen, ein Biotop, machen wollen.

Seit Tagen auch sehen wir diese großen braunen Schilder, auf denen an die Wiedervereinigung erinnert wird. Interessant, dass nicht nur die Uhrzeit, sondern auch die Datumsangaben variieren.

Gegen Mittag wird deutlich, was Premiumwanderwege wie Frankenweg und Hochrhöner von einem einfachen Wanderweg ohne jegliche Klassifizierung unterscheidet: Hier gibt es keine Bänke, so dass wir uns zur Mittagsruh auf einer Wiese am Waldrand niederlassen.

Wir lassen uns Zeit, schreiben, lesen und dösen, denn in unserem Gasthof in Ershausen haben wir uns für 18 Uhr angemeldet. Dort ist heute Ruhetag, aber Frau Diederich hat sich bereit erklärt, uns mit Schnitzel und Bratkartoffeln zu verköstigen.

Im nächsten Dorf freuen wir uns über ein Eis-Café. Wir hatten lange kein Spaghettieis mehr. Kurz nach dem Ortsausgang hat die Gemeinde ein gemütliches Picknickensemble auf einen Hügel gestellt. Da die Sonne gerade hinter einer Wolke verborgen ist, ein leichter Wind die Luft kühlt und Achim nach einem Geocache sucht, döse ich auf der Bank und erfreue mich an dem, was ich sehe.

Gegen halb sechs sind wir am Ziel und entdecken am Wegesrand noch Werke zweier Künstler.

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