Schnee, so viel Schnee

Im Winter ist es im Bus immer ganz besonders gemütlich. Während draußen die Temperaturen sinken und der Schnee fällt, ist es drinnen kuschelig warm und wir lieben es, gemütlich zu frühstücken, am späten Nachmittag eine Runde Tavla zu spielen und dann zu kochen. Heute gab es Spatzn mit Bregenzer Spatznkäse. Lecker.

Frühstück de luxe. Ach nein, die Eier fehlen.
5 : 3 für mich ging dieses Spiel aus. „Mit Glück!“, sagt Achim.
Wir sind ja geübte Zelter. Da hatten wir immer nur eine Flamme. Hier sind es zwei.

Gegen 11 wird es dann aber höchste Zeit, mal die Nase aus dem Bus zu stecken. In der Nacht fielen rund 15 Zentimeter Neuschnee und ab und zu spitzt sogar mal die Sonne raus. Winterwetter also, wie wir es uns erhofft hatten.

Eigentlich wollten wir diese Woche ja Schneeschuhwandern. Das ist hier aber nicht so gern gesehen. Es gibt von der Touristeninfo weder schriftlich noch mündlich Informationen über mögliche Touren. Der zuständige Mensch gestern verwies auf die vielen Kilometer geräumter und täglich gepflegter Winterwanderwege einerseits und die drohende Lawinengefahr abseits dieser Routen andererseits. Ist aber auch egal, denn Hauptsache, wir können den Schnee genießen. Also Grödel unter die Schuhe und los.

Unser heutiges Ziel ist das Waldhaus an der Breitach. Bei mir werden dabei Kindheitserinnerungen wach. Wenn ich einen Zitronenfalter sehe, denke ich immer an die Wanderung, die ich als 10-Jährige mit meinen Eltern dorthin gemacht habe – und die Myaden von Zitronenfaltern, die uns dabei umflattert haben.

Wir laufen durch den großzügig angelegten Kurpark von Riezlern, queren die Breitach und schwingen uns in einer großen Kurve hoch zum Schwarzwasserbach. Sehr idyllisch folgen wir seinem Lauf, bis er sich nach einigen Kilometern mit der Breitach vereint.

Leider ist der direkte Weg zum Waldhaus gesperrt, so dass wir einen riesigen Umweg laufen müssen und nach über drei Stunden Gehzeit gegen 14 Uhr beschließen, dass uns die verbleibende Zeit nicht für die gesamte Tour reichen wird (wir wollen schließlich nicht im Dunkeln heimkommen). Wir haben ein Picknick dabei und nehmen also rund 40 Minuten vor dem Ziel unseren Stehimbiss ein und kehren danach um.

Kalte Schinkennudeln schmecken gar nicht so schlecht.

Auf dem Rückweg genießen wir die Landschaft und die Vorfreude auf einen gemütlichen Abend im Bus.

Und der Wetterbericht hat doch recht …

Unterwegs

Seit Wochen freuen wir uns auf eine Woche im Schnee in unserem Wohnmobil. Letztes Jahr waren wir im Bayerischen Wald und im Tannheimer Tal, diesmal haben wir uns für das Kleinwalsertal bei Oberstdorf entschieden. Schnee haben wir reichlich, steht auf der Homepage.

In strömendem Regen fahren wir die 200 Kilometer und fragen uns, wie denn noch irgendwo ein bisschen Schnee liegen kann. Viele Niederungen im Allgäu haben sich in temporäre Seeflächen gewandelt, der Iller steht so hoch, dass er wohl bald über die Ufer tritt.. Und es regnet auch noch, als wir die Höhestufe ins Kleinwalsertal erklimmen. Wir haben uns einen kleinen Campingplatz ausserhalb einer Ortschaft ausgesucht, eine kleine Straße führt von Riezlern aus zu einer dick vereisten Wiese, dem Wohnmobilstellplatz. Es schüttet immer noch. Vorsichtig rangiere ich nach den Formalitäten den 3,5 Tonner auf seinen Platz , Stromkabel anstecken und bloß nicht mehr raus.

Wir hoffen auf morgen…

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Zu Besuch bei Lisar

Sie empfängt uns mit einem verschmitzten Lächeln. Ihre langen schwarzen Haare sind zu einem lustigen Knoten auf dem Kopf zusammengebunden, ihr weißer Anzug aus Leinen wird von einem mit einer prächtigen Muschel geschmückten Gürtel zusammengehalten. An den Füßen trägt sie Bastschuhe. Sie ist 1,45m groß, wurde vor über 7000 Jahren geboren und auf den Namen Lisar getauft, weil sie seit Oktober in Landau an der Isar den Mittelpunkt der neuen Ausstellung im Museum Kastenhof bildet.

Die berühmten Kennis-Brüder aus Holland, die schon Ötzi oder den ersten Neandertaler gestaltet haben, rekonstruierten Lisar fürs Museum auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen. „Lisar ist inzwischen die am besten untersuchte Person der Steinzeit im süddeutschen Raum“, sagt Ausstellungsmacher Simon Matzerath.

Mit vielen kreativen Ideen werden unsere Vergangenheit und ihre Verflechtungen mit der Gegenwart und unserer Zukunft in der Dauerausstellung erläutert.

Vielleicht ist es ab und zu ganz hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass unsere Urahnen Migranten aus dem Vorderen Orient waren, die auf der Suche nach einem besseren Leben hier heimisch wurden und den Umbruch vom Leben als nomadisch lebende Jäger und Sammler zum sesshaften Bauern eingeleitet haben.

Das neue Museum ist allemal einen Ausflug wert, auch für Kinder dürfte es interessant sein (www.steinzeit-museum.de).

Abstecher zum wachsenden Felsen

Nach dem Museumsbesuch lockt ein Spaziergang an die Isar. Unweit von Landau entdecken wir den 37 Meter langen und bis zu 5,4 Meter hohen „Wachsenden Stein von Usterling“, die größte steinerne Rinne Bayerns.

Steinerne Rinnen sind Gebilde, die unter bestimmten Bedingungen an kleinen, stark kalkhaltigen Quellen aus Kalktuffablagerungen entstehen. Diese Rinne ist in über 5.000 Jahren gewachsen. Damit ist sie zwar jünger als Lisar, aber doch auch beeindruckend alt.

Streit, Suff, Syphilis

Van Gogh, das wahnsinnige Genie: Dieser Ruf hat zur Faszination um seine Person beigetragen. Er selbst, so schrieb einmal der Spiegel über ihn, nannte sich in seinen Briefen „neurotisch“, „wüst“ und „zerstört“. Er besuchte regelmäßig Bordelle, steckte sich mit Syphilis an, betrank sich mit Absinth.

Dass wir heute DIE große Van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum sehen dürfen, dass wir sein Werk überhaupt kennen, haben wir einer Frau zu verdanken: seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger, die nach dem Tode der Brüder Vincent und Theo seiner Kunst zum Durchbruch verhalf. Nachzulesen im Buch von Camilo Sánchez „Die Witwe der Brüder van Gogh“.

Nur zehn Jahre malte Van Gogh, in dieser kurzen Zeitspanne schuf er Hunderte von Bildern, die ihn zu einem der bedeutendsten europäischen Maler werden ließen. Leider erst posthum. Zu Lebzeiten erfuhr er kaum Wertschätzung. Er nahm sich, wohl auch weil der ausbleibende Erfolg an ihm zehrte, mit 37 Jahren das Leben.

Welche unterschiedlichen Malstile er pflegte, welchen Einfluss er auf die nachfolgende Künstlergeneration hatte, wie er nur dank der materiellen Unterstützung durch seinen Bruder Theo malen und (über)leben konnte, erfahren wir sehr anschaulich in einer brillanten Führung durch eine der Kunsthistorikerinnen des Museums.

Das Städel-Museum hat noch weitere spannende Sammlungen und Ausstellungen, doch wir sind voll mit Van Goghs Werken und Wirken, die Beine sind müde, der Rücken zwickt. Frischluft ist erforderlich.

Auf dem Maintower lassen wir uns vom Wind durchpusten und kehren in die Gegenwart zurück.

Mainhattan mit grüner Soße

Eine Städtereise zum Geburtstag erfreut ihn und sie. Und nachdem an der Pinwand ein Artikel aus der Süddeutschen über die van Gogh-Ausstellung im Frankfurter Städel-Museum auftauchte, war auch das Ziel klar.

Am frühen Nachmittag erreichten wir Mainhattan, welches wir beide bislang nur sehr oberflächlich kennengelernt hatten. Ich war früher des öfteren zur Buchmesse hier, aber da sieht man ja nicht viel von der Stadt.

Ich bin gern in Städten, in denen der Kontrast zwischen alten und neuen Bauten sehr hoch ist. Da bin ich hier in Frankfurt an der richtigen Adresse.

Heute streunen wir nur ein wenig durchs Zentrum und nehmen Kostproben von der Stadt und ihren Spezialitäten…

… dem Frankfurter Kranz

… dem Weihnachtsmarkt am Römer

…der berühmten Skyline in der Abenddämmerung

… dem Handkäs mit Musik (viel besser als erwartet) und dem Äppelwoi (nee, ne!?)

… und nicht zuletzt der feinen Frankfurter grünen Sauce, die auch im Winter schmeckt.

Eine Überraschung nach dem Essen im Sachsenhausener Traditionslokal Fichtenkränzi war der Schnaps, den alle bestellt haben, und den wir natürlich auch wollten, das Mispelchen. Eine in Calvados eingelegte Mispel. Hoi!

PS: Südafrika

Unsere Rückfahrt nach Johannesburg sieht rund 1000 Kilometer vor. Die allermeisten davon auf Asphalt.Wir lassen es erstmal langsam angehen und haben für die erste Übernachtung die Plato-Lodge in der Nähe der Augrabis-Wasserfälle gewählt. Die Überraschung ist groß, als wir inmitten der Steinwüste unsere Unterkunft entdecken.

Der Blick von der Terrase fällt auf Felsen und Geröll, zwischen denen sich Klippschliefer tummeln, die Murmeltieren ähneln, aber mit dem Elefanten verwandt sind. Die Räume sind äußerst geschmackvoll eingerichtet, auf den Balkonen sind handgefertigte Möbel und im Bad kupferfarbene Armaturen und eine breite Dusche, in der zwei Personen nebeneinander unter zwei Duschköpfen stehen können. Das Abendessen, das der junge Farmer Maans uns, seinen einzigen Gästen an diesem Tag, serviert, ist vorzüglich. Er brät Steaks auf dem Grill, dazu reicht er Country Potatoes und frischen Salat.

Sein Grundstück wird an einer Seite vom Oranje River begrenzt und er hat dort einen kleinen Badeplatz, erzählt er uns am nächsten Morgen beim Frühstück. Was wir denn für ein Auto hätten. Einen Toyota Fortuner, zwar kein Vierradantrieb aber mit zuschaltbarer Differentialsperre. Das müsste klappen, ermutigt Maans uns. “ Wenn Ihr in zwei Stunden nicht zurück seid, hole ich Euch“, versichert er uns.

Bald verstehen wir, was er meint. Die Piste ist sandig, am Anfang noch einigermaßen breit, nach einigen Kilometern wird sie enger und noch sandiger. Wenden wäre nicht möglich, also weiter, weiter, bis wir schließlich den Fluss erreichen. Auch auf der Rückfahrt wird alles gut gehen, wenn auch der Fahrer am Ende grinsend gesteht, dass bei dieser Kutschiererei sein Deo versagt habe…

Doch jetzt erstmal rein in die Fluten. Das Wasser ist warm und weich und hat eine recht starke Strömung. Es wäre herrlich, sich bis Oranjemund, wo er in den Atlantik mündet, treiben zu lassen.

Doch auf uns wartet noch ein südafrikanischer Nachschlag zu unserer Namibiareise, die Augrabisfällle, eine ebenfalls vom Oranje River geformte Schlucht mit einem großen und weiteren kleineren Wasserfällen, die wir bei einer Wanderung erkunden.

Am Abend erreichen wir Upington mit der längsten Palmenallee Afrikas und den besten Steaks überhaupt.

Nächste Woche gibt es kein Fleisch und keinen Alkohl, aber bis dahin genießen wir noch.

Fishriver Canyon

Er ist der zweitgrößte Canyon der Welt. Damit steht der Fishriver Canyon im Süden Namibias gleich hinter seinem großen amerikanischen Bruder, dem Grand Canyon in Arizona. Er ist unsere letzte Station in diesem beeindruckenden Land, dessen Gäste wir in den vergangenen drei Wochen waren.Eindrucksvoll beweist er uns einmal mehr wie kraftvoll die Landschaft in diesem Land ist, das so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen. Ob Wüste, Berge, Meer, Salzpfanne, Savanne oder eben diese 160 Kilometer lange, 27 m breite und bis zu 500 m tiefe Schlucht, die der Fischfluss vor Jahrmillionen geformt hat. Oder aber eine Schlange, wie es sich die Nama erzählen. Das von Jägern verfolgte Tier wand und schlängelte sich schwer verwundet so heftig im Wüstensand, dass die Erde aufriss und die Schlange in diesem Graben verschwand.Der Anblick der imposanten Felsformationen des Fishriver Canyon rundet die Vielzahl der Eindrücke, die wir in Namibia gewonnen haben, perfekt ab. Wunderschöne Landschaften, eine spannende Tierwelt, freundliche Menschen. Eine wertvolle Reiseerfahrung, die uns bald schon schönste Erinnerungen bescheren wird.