Siebter und letzter Tag an der Ems (von Papenburg nach Emden)

An diesem Tag kommen wir – indirekt – gleich am Vormittag mit drei Tragödien in Kontakt.

In der Lokalzeitung stand ein Artikel über den Geschäftsführer einer hiesigen Entsorgungsfirma, der zusammen mit zwei Freunden zum Aufräumen nach Ahrweiler gefahren war. Dort ist die Masse an Sperrmüll noch ein großes Problem und so bot er an, den Müll im Emsland zu entsorgen, wo es freie Kapazitäten gibt. In Papenburg zum Beispiel, wo wir am Morgen mit den Rädern vorbei kommen. Wie furchtbar, dass die Menschen alles durch die Flut verloren haben. Hier landet nun ihr Hab und Gut.

Hier wird Müll aus Ahrweiler geschreddert

Eine Tragödie ist es auch für die Beschäftigten von Deutschlands größtem Schiffsbauunternehmen, der Meyer-Werft in Papenburg, dass die Geschäftsführung 650 Arbeitsplätze abbauen will. In der Belegschaft, die knapp 4000 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zählt, herrscht deshalb große Unruhe. Wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche durch die Corona-Pandemie steckt die Werft in der Krise.

Kreuzfahrtschiffgigant (r.) in der Meyer-Werft in Papenburg

Die Folgen des dritten Unglücks sehen wir weitere Kilometer später: die Eisenbahnbrücke in Weener wurde 2015 von einem Binnenschiffer zerstört. Der Unglücksfrachter rammte die längste Eisenbahn-Klappbrücke Deutschlands – und setzte damit die Bahnstrecke von Leer nach Groningen für Jahre außer Betrieb. Ein Desaster für die Pendler.

Ein Desaster für uns könnte das Wetter sein. Ist es aber nicht, denn wir sind wasserfest eingepackt.

Hier in Ostfriesland, wo wir inzwischen sind, wurde die Ems eingedeicht. Die Nordsee mit ihren Tiden macht sich bemerkbar. So radeln wir heute also hinterm Deich und nützen hin und wieder eine Lücke, um einen Blick auf den Fluss zu erhaschen. Ab und zu gibt es einen kurzen Schauer, aber während unserer Mittagspause in Leer und unserem Stadtbummel dort bleibt es trocken.

Deichpflege an der Ems
Rathaus in Leer
Buntes Coloniale-Haus

Am Nachmittag geht es dann mit richtigem Nordseewetter los. Mal Sonne, mal Regen, einmal sogar Hagel und ganz viel Wind.

Nach 60 Kilometern setzen wir kurz vor Emden mit der Fähre über, erreichen die Dollart genannte Meeresbucht, wo sich die Ems von uns verabschiedet, um in die Nordsee weiterzufließen.

Auf der Fähre kurz vor Emden

Hier in Emden ist für uns das Ende unserer einwöchigen Radtour erreicht. Das Gesamtpaket, also sehr nette ReisebegleiterInnen, viel Interessantes am Wegesrand, lecker Essen und Trinken, war super. Den Emsradweg per se würde ich nicht unbedingt empfehlen. Ich glaube, da gibt es schönere Strecken (Elbe, Werra, Altmühl, Saale, Unstrut, um nur einige zu nennen). Aber die letzten beiden Tage waren auch landschaftlich nah an der Ems sehr fein.

Sechster Tag an der Ems (von Haren nach Papenburg)

Ehemaliges Besucherzentrum in der Transrapidversuchsanlage Emsland

Vor etlichen Jahren sind einige Mitglieder der Grünen in meinem Heimatsee hinausgeschwommen und haben mit einem Flatterband die geplante Trasse des Transrapid mitten durch den Mühlsee aufgezeigt. Es gab noch weitere gute Argumente gegen den hirnrissigen Plan, den Münchner Hauptbahnhof mit dem Airport mittels Transrapid zu verbinden.

Transrapidtrasse

Heute nun stehe ich vor der Transrapidversuchsanlage Emsland, auf der die Magnetschwebebahn zehn Jahre im Einsatz war.

Der norddeutsche Ingenieur Hermann Kemper hatte in den 30er Jahren „eine Schwebebahn mit räderlosen Fahrzeugen“ entwickelt. Doch erst 1983 wird die Teststrecke im Emsland in Betrieb genommen, um die Technik auf Herz und Niere zu prüfen. Doch die beteiligten Industriekonzerne Thyssen-Krupp und Siemens  verkaufen den vermeintlichen Verkaufsschlager  nur einmal nach Schanghai, alle anderen Pläne scheitern.

Ein Unfall auf der Teststrecke im September 2006, bei dem 26 Menschen ums Leben kamen, trug zum endgültigen Aus bei. Heute rosten Transrapid und Trasse vor sich hin.

Wir radeln weiter an der Ems. Heute fast nur am Fluss. Ganz großartig! Gegen drei und nach 52 Kilometern erreichen wir bereits unsere Unterkunft sechs Kilometer südlich von Papenburg.

Nach einer kleinen Pause radeln wir ohne Gepäck in die Stadt und schauen uns um. Das Rathaus, ein Kanal, auf dem Schiffe liegen, ganz viel Blumenschmuck, eine Windmühle, all das verströmt ein sehr angenehmes Flair.

Wir schauen auch noch in die Kirche und sind überrascht, hier die laut Kirchenführer  mit über 90 Registern und knapp 7.000 Pfeifen größte und eindrucksvollste Orgel ganz Niedersachsens zu entdecken.

Die Nähe zur See drückt sich nun auch schon in der Speisekarte aus, die wir bald studieren: Scholle Finkenwerder Art und Labskaus. Es sind nur noch 60 Kilometer bis nach Emden, wo die Ems in den Dollart mündet und unsere Radtour morgen endet.

Fünfter Tag an der Ems (von Lingen nach Haren)

Heute habe ich gleich zu Beginn der Tour mein persönliches Highlight: endlich mal wieder schwimmen. Das Wasser im Geester See ist kalt. Ziemlich kalt. Macht aber nix. Schnell rein und durchziehen. Herrlich.

So kann der Tag beginnen

Einige Dörfer später hätte Achim sein Highlight haben können. Die Kuchen-, Torten-, Keksefirma Coppenrath und Wiese hat hier einen Firmensitz und Werksverkauf. Marzipan-, Schoko-, Nusstorte? Leider nichts davon. Samstagnachmittag geschlossen. Wie schade.

Vor verschlossenen Türen

Geschlossen hat leider auch das Moormuseum. Warum?! Nun gut, plaudern wir stattdessen ein wenig mit den bunten Bentheimer Schweinen nebenan. So hübsche Tierchen.

Bensheimer Schwein

Der Emsradweg macht uns heute viel Spaß: die Route führt sehr oft direkt am Wasser entlang. Mittlerweile ist er so groß, dass auch kleinere und größere Schiffe auf ihm fahren können.

Ausflugsschiff auf der Ems

Unseren nachmittäglichen Eiskaffee nehmen wir in der Kreisstadt Meppen ein. Hübsch anzusehen das Rathaus. Was es mit der Sonnenschirmdekoration in der Fußgängerzone auf sich hat, weiß ich leider nicht.

Das Rathaus von Meppen

Nördlich von Meppen kommen wir an der größten Landkarte der Welt vorbei. Sie wurde 1994 vom Schweizer Künstler Christoph Rhis auf einen 130 Meter hohen Kühlturm eines ehemaligen Gaskraftwerkes gemalt, kam ins Guinness-Buch der Rekorde und ist heute ein Wahrzeichen der Region.

Die größte Weltkarte bei Meppen

Das kleine Städtchen Haren, das wir am Abend erreichen, hat eine interessante neuere Geschichte: von 1945 bis 1948 war es Verwaltungszentrum der polnischen Besatzungszone, einem Sondergebiet innerhalb der Britischen Besatzungszone in Deutschland.   Haren hieß während dieser Zeit erst Lwów dann Maczków. Es musste von der deutschen Bevölkerung geräumt werden.

Yachthafen in Haren

Die neue, polnischstämmige Bevölkerung setzte sich zusammen aus etwa 30.000 Displaced Persons, vor allem ehemaligen Häftlingen der Emslandlager  – zu diesen gehörten auch Angehörige des Warschauer Aufstand  vom August 1944 und 18.000 polnische Soldaten.

Sie blieben bis 1948 hier. Dann wurde die Stadt Maczków wieder der deutschen Verwaltung unterstellt und erhielt am 10. September 1948 ihren ursprünglichen Namen zurück (Danke, Wikipedia!)

Warum eine so kleine Stadt wie Haren mit etwas mehr als 20 000 Einwohnern einen Dom hat, möchte ich gern noch wissen. Es ist kein Bischofssitz sondern die Pfarrkirche Sankt Martinus, die liebevoll Emsland-Dom genannt wird. Sie schaut ja auch fast wie einer aus. Gebaut wurde sie von 1908 bis 1911 von Ludwig Becker erbaut und gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Der Emsland-Dom in Haren

Den schönen Sommerabend verbringen wir im Garten des Hotels, den wir uns mit vielen weiteren Radfahrern teilen.

Vierter Tag an der Ems: Von Emsdetten nach Lingen

Der Vormittag kommt heute mit einigen Überraschungen daher. Blühende Heide an der Ems? Wir lernen am frühen Vormittag, dass sie Teil der Dünen Elter Sand ist.

Während der jetzten Kaltzeit, die vor ca. 10.000 Jahren zu Ende ging, wirbelte der Wind Sand und Staub vom kaum durch Vegetation geschützten Boden auf und wehte sie über das Land. Was an einer Stelle abgetragen wurde, wurde an anderer Stelle wieder aufgehäuft. Dünen entstanden.

Blühende Heide

Die Wanderdünen im Elter Sand waren bis vor etwa 200 Jahren in Bewegung. Durch die Aufforstung mit Kiefern und die Anlage von Hecken wurden sie gefestigt. Damit verschwanden aber auch typische Landschaftsformen wie Flugsandflächen und Heiden weitgehend. Nur an wenigen Orten gibt es solche Heiderelikte.

Da kommt uns wenige Kilometer später das Gradierwerk in Bentlage gerade recht. Für den Fall, dass wir in den Dünen zu viel Sand eingeatmet haben, drehen wir eine Runde und atmen die salzhaltige erfrischende Luft ein.

Das Gradierwerk aus dem 18. Jahrhundert ist Teil der Saline Gottesgabe. Ob die Umwidmung einer nahegelegenen Telefonzelle zu einem Marien-Altar damit zusammenhängt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Zu was alte Telefonzellen so gut sind

Den Rest des Tages rollen wir so dahin. Wir suchen vergeblich ein Café oder einen Gasthof für eine Pause, aber alles hat geschlossen. Dabei sind viele RadlerInnen unterwegs. Ob das Corona geschuldet ist? Erst nach 40 Kilometern werden wir endlich fündig.

Richtig an den Fluss kommen wir auch heute eher selten. Auch das Landschaftsbild ändert sich nicht groß. Die Passagen durch Wälder werden häufiger, das bringt Fahrspaß.

Nach 66 Kilometern erreichen wir unser heutiges Tagesziel Lingen, wo wir die Gastfreundschaft unserer mitradelnden Freunde genießen, auf dem Marktplatz vor engagierter böhmischer Blasmusik ins ruhige Innere flüchten, bei „Heidi“ das leckere heimische Lünner kosten und einen Absacker im Biergarten Wilhelmshöhe in Form von Münchner Hofbräu trinken. Oans, zwoa, drei…

Marktplatz in Lingen

Dritter Tag an der Ems:  Von Telgte nach Emsdetten

Geretteter Maulwurf

Gleich in der Früh bildet sich das Motto des heutigen Tages heraus: Unser Grabowski heißt Achim. Der am Vormittag bereits eine Heldentat vollbringt und mit Hilfe eines Fahrradhelms einen in eine Betonrinne gefallenen Maulwurf rettet.

Maulwurfrettungsaktion

Nach der Aufregung entspannen wir an der 1000jährigen Eiche, unter die  sich das erschrockene Tier nach der gelungenen Rettungsaktion flüchtet. Vor lauter Schreck hat es uns im Fahrradhelm übrigens ein kleines Souvenir hinterlassen 😀.

In der Mitte des Hintergrunds steht die 1000jährige Eiche

Der Dortmund-Ems-Kanal verbindet als künstliche Wasserstraße zusammen mit schiffbaren Abschnitten der Ems die Nordsee mit dem Ruhrgebiet. Erbaut wurde er zwischen 1892 bis 1899. Wir überqueren ihn nach 20 Kilometern.

Am Dortmund-Ems-Kanal


Die Textilindustrie war bis Mitte des 20. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Industriezweige der kleinen Stadt Greven im Münsterland. In Hochzeiten verdienten bis zu 3000 ArbeiterInnen hier ihr tägliches Brot. Heute greifen Kunstwerke am Emsufer dieses Thema auf.

Die WOLKENfabrik

Die „WOLKENfabrik“ von Anna Arnskötter beispielsweise: „Die rauchenden Fabrikschlote der Textilstadt sind erloschen, werden verwandelt in einen Turm, der die Fabrik trägt. Die Wolke umhüllt die Fabrik, der Wind treibt sie zum Meer hin, wo die Ems in die Nordsee mündet. Und der Schornstein wird zum Leuchtturm.“

Der WEBstuhl

Oder der „WEBstuhl“ von Manfred Schlüter: „Schlank wie eine Säule streben sechs Stahlbänder, die sich in der Mitte zu einem Geflecht verweben, in die Höhe und enden in einer Gruppe von bizarren Händen. Die fleißigen Weberhände recken sich jetzt in den Himmel. Eine Erinnerung an die vielen Weberinnen und Weber, die einstmals die Geschichte der Stadt geprägt haben.“

Grubenhaus

Wie lange dieses Handwerk diese Gegend bereits prägt, sehen wir einige Kilometer außerhalb der Stadt. Hier wurde eine frühmittelalterliche Hofstelle aus dem 8. Jahrhundert rekonstruiert.

Im Grubenhaus (Bild oben) waren die Webstühle aufgestellt. Die Häuser wurden in eine ein Meter tiefe Grube gesetzt, was die Luftfeuchtigkeit erhöht. Dies war günstig für die Textilherstellung, besonders für Leinen, weil dadurch die Fäden der Webware geschmeidig gehalten wurden.

Rekonstruktion des Haupthauses (8.Jh.)

Inzwischen ist das Thermometer auf 26 Grad geklettert und ein Sekundenschlaf tut gut.

Müde Radler

Nach 60 Kilometern erreichen wir Emsdetten, unser heutiges Tagesziel. Das Thema Textilherstellung zieht sich durch: hier hat die Firma Schilgen ihren Sitz, bei der Verpackungskünstler Christo seine Stoffe geordert hat, zum Beispiel für die kilometerlange Verhüllung des Central Parks in New York.

Kunst vor Kirche in Emsdetten

Wir duschen, ziehen unsere leichtesten Textilien an und genießen im Biergarten unseres Hotels den lauen Sommerabend.

Zweiter Tag auf dem Emsradweg (von Wiedenbrück nach Telgte)

Ausstellungsbesuch in Warendorf

Wieder ist es am Nachmittag die Kunst, die uns (nach einem riesigen Eisbecher) den Tag versüßt. Diesmal sind es Karikaturen aus der Ausstellung „Mettendchen aus dem Homeoffice“, die im Rathaus von Warendorf gezeigt wird. Der Künstler Peter Menne hatte während der Pandemie gemeinsam mit Kollegen einen digitalen Kulturlieferservice ins Leben gerufen. Seine Beiträge dazu und auch ältere Werke sind ausgestellt.

Eva und Adam

Humor biete in der Krise eine Chance, um gesellschaftliche Gräben zu überwinden, hat Menne in einem Jahr „Kulturlieferservice“ erfahren. Es helfe, gemeinsam zu lachen.

Fotografinnen unter sich

Lachen kann dann auch ich am Nachmittag, als wir endlich mal wieder den Fluss nicht nur queren sondern sogar mal eine ganze Weile an ihm lang radeln dürfen.

Der Vormittag war geruhsam verlaufen. Ziemlich oft wurde der Radweg an der Straße entlang geführt oder lief durch Felder und, eher seltener, Wälder. Aber das Wetter war freundlich und mit entspanntem Geplaudere rollte es sich leicht dahin.

Die Mittagspause machten wir im weitläufigen Park des Zisterzienserklosters Marienfeld, zu dem selbstverständlich auch ein Biergarten gehört.

Klosterkirche in Marienfeld

Wir kommen später an ein paar Seen vorbei, finden aber gar keinen Zugang und die Temperaturen laden auch noch nicht zum Baden ein. Aber ein „Zeitregal“ am Wegesrand lockt uns nochmal vom Sattel. Hier haben schon Neandertaler gelebt, erfahren wir. Sandabbau brachte im Laufe der Zeit zahlreiche archäologische Funde aus verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte zutage, von denen einige hier im Zeitregal nachgebildet wurden. 

Ein Zeitregal

Die Ems ist inzwischen ein richtiger Fluss geworden – übrigens einer der wenigen, die in Deutschland entspringen und auch hier im Meer münden.

Unser Tagesziel Telgte erreichen wir nach 70 Kilometern. Gleich beim ersten Bummel durch die hübsche Altstadt stoßen wir auf diese barocke Wallfahrtskirche aus dem Jahr 1654.

Wallfahrtskirche in Telgte

Eigentlich wollen wir auf dem Marktplatz abendessen. Aber hier ist jeder Tisch draußen besetzt. Das schöne Wetter hat alle rausgelockt. Wir trösten uns damit, dass wir den ganzen Tag an der frischen Luft waren und finden ein gutes Restaurant, in dem drinnen noch genügend Platz ist.

Laut Wettervorhersage kommt in den nächsten Tagen der Sommer zurück!

Auf dem Emsradweg

Der Emsradweg schmeichelt sich nicht sofort bei seinen BesucherInnen ein. An der Quelle wartet er zwar noch mit schöner Natur und interessanten Geschichten auf, doch danach schwächelt er für meinen Geschmack. Erst ab Kilometer 34 macht es wirklich Spaß, hier zu radeln und die Umgebung des Flusses zu erkunden. Doch der Reihe nach.

Die Ems ist ein Fluss in Norddeutschland. 382 Kilometer liegen zwischen der Quelle bei Hövelhof in der Nähe von Paderborn und der Mündung in die Nordsee bei Emden.

So ist der Emsradweg ausgeschildert.

Wir wollen uns Zeit lassen und haben eine ganze Woche für diese Radtour eingeplant.

München Hauptbahnhof

Wir laden die Räder in München in den ICE, steigen in Erfurt um und erreichen am Nachmittag Paderborn. Dann noch 16 km radeln und wir erreichen den kleinen Ort Hövelhof, wo wir die erste Nacht verbringen.

Am nächsten Morgen fahren wir sieben Kilometer zu den Quellen der Ems. Es handelt sich nicht um eine, sondern eine Vielzahl kleiner Quellen, die den Bach speisen, der zu einem der größten deutschen Flüsse wird.

An den Emsquellen
Die ersten Meter der Ems

Es dauert ziemlich lange, bis wir den Großraum Hövelhof verlassen haben. Autobahn, Bundesstraße, Siedlungen. Dann kommen die Maisfelder und die Biogasanlagen. Doch dann erreichen wir das zwar kleine aber schöne Naturschutzgebiet Steinhorster Becken und schauen eine Weile den Bussarden, Silberreihern und Gänsen zu.

Im Naturschutzgebiet Steinhorster Becken

Doch der Spaß währt nur kurz, schon hat uns die intensive Landwirtschaft wieder. Wenigstens die Bauernhöfe, meist propere Backsteinbauten, sind hübsch. Auch das Wetter passt: heiter bis wolkig, nicht zu warm. So lässt es sich angenehm radeln.

Schließlich erreichen wir den historischen Stadtkern von Rietberg mit seinen liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Nach dem Kaffee fahren wir zum Skulpturenpark Wilfried Koch im Klostergarten eines ehemaligen Franziskanerklosters. Hier stehen elf Bronzeskulpturen des Künstlers.

Esther
Faun
Musiker

Wilfried Koch wurde 1929 in Duisburg geboren und lebt seit 1971 mit seiner Frau Hilde hier in Rietberg. Sowohl die Skulpturen als auch der Park selbst mit einem See und einer Vielzahl von Bäumen machen uns viel Freude.

Von hier sind es nur noch zwölf Kilometer bis zum heutigen Etappenziel, dem schmucken Rheda-Wiedenbrück. Und wieder stoßen wir auf bestens erhaltene Fachwerkhäuser und weitere Kunstwerke, diesmal von zwei Frauen, Christel Lechner und ihrer Tochter Laura. Gleich neben der Garage unseres Hotels, in der wir unsere Räder unterstellen, sehen wir die ersten von insgesamt 90 Skulpturen, die von März bis September über die ganze Stadt verteilt ausgestellt werden.

Hamburger Paar

Im Hotel gibt es einen Flyer mit einem Lageplan der Kunstwerke und nach einer kurzen Dusche und einem Willkommenstrunk machen wir uns auf zu einem Erkundungsgang.

Wiedenbrücker Original
Horrido auf dem Marktplatz
Helgas Kaffeeklatsch auf der Wiese am Emssee

„Alltagsmenschen“ nennen die Künstlerinnen ihre Betonfiguren, die an 27 verschiedenen prägnanten Schauplätzen in das Stadtbild integriert wurden.

Schließlich hat die Kultur geschafft, was der Natur bisher noch nicht so richtig gelungen ist: mir den Emsradweg schmackhaft zu machen. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Um 23 Uhr 30 legt die Fähre ab

Unsere Islandreise nähert sich dem Ende. Nun ist auch der Zwischenstopp auf den Färöern vorbei und wir stehen in der Schlange vorm Einschiffen.

Achim schreibt in seinem Blog über unseren letzten Tag auf den Inseln.

Nachdem es uns gestern auf der Suche nach einem Campingplatz auf die westlichste der großen Inseln, Vāgar, getrieben hat, müssen wir für die heutige Aktivität gar nicht anreisen. Unsere Wanderung beginnt in Miđvagur. Es sind vier Kilometer zum Felsen Trælanipa. Immer mit Blick auf den See Sørvagsvatn führt ein guter Weg über Wiesen (der Grundbesitzer […]

Um 23 Uhr 30 legt die Fähre ab

Kleine Rundfahrt auf den Schafsinseln

Der Wecker klingelt um 0 Uhr 45. Verschlafen wird das Rollo hochgezogen und wir staunen. Es ist dunkel draußen, das sind wir ja gar nicht gewohnt von Island! Kein Wunder ist geschehen, vor 14 Stunden ist die Norröna von Seydisfjörđur im Osten Islands ausgelaufen und erreicht nun Tórshavn, die Hauptstadt der Färöer. Føroyar heißen die […]

Kleine Rundfahrt auf den Schafsinseln

Bless bless

Genau vier Wochen waren wir nun auf der Insel und nun ist unser letzter Tag angebrochen. Wir stehen seit dem frühen Nachmittag auf dem gesteckt vollen Campingplatz in Seyðisfjördur. Morgen um 10 Uhr wird unsere Fähre von hier auslaufen.

Im Hafen von Seyðisfjördur

Da die allermeisten IsländerInnen sehr gut Englisch sprechen, haben wir so gut wie nichts auf Isländisch gelernt. Aber dass bless, bless (entlehnt von God bless you) Auf Wiedersehen heißt, haben wir mitbekommen. Und ja, das haben wir vor. Allein schon wegen der Nordlichter, aber auch um die Westfjorde zu bereisen, die wir diesmal ausgelassen haben. Und nochmal hier und da und dorthin, wo es uns besonders gut gefiel.

Ehe wir heute Morgen unseren Campingplatz bei den Papageitauchern verließen, habe ich mich auf dem Alfaborg (dem Elfenfelsen) noch bei der Elfenkönigin Borghildur für die Gastfreundschaft, die wir im ganzen Land empfangen haben, bedankt.

Alfaborg, der Sitz der Elfenkönigin Borghildur

Dann kamen die praktischen Dinge an die Reihe: Frischwasser aufnehmen, Abwasser entsorgen, Tanken, Gasflasche zurückgeben, Auto waschen (Hatten wir überhaupt schon mal geschrieben, dass man das hier an vielen Tankstellen umsonst machen kann?), Einkaufen.

Kostenlose Autowäsche an der Tankstelle

Auf dem Weg zur Fähre war der Bus auf der Piste nochmal richtig dreckig geworden.

Zwischendurch Schotter- und Matschpiste

Aber zwei Sehenswürdigkeiten gab es auch noch auf unserer kurzen Route von 100 Kilometern: die Hütte, in die sich der bedeutende isländische Maler Jóhannes S. Kjarval rund 20 Jahre lang regelmäßig zum Malen zurückzog. Seine beeindruckenden Landschaftsbilder, die wir zum Teil in Reykjavik im Museum gesehen haben, fertigte er zum großen Teil hier an.

Rechts die etwa zehn Quadratmeter große Hütte, links ein Bootshaus

Wir queren unseren letzten Pass und machen ein letztes Foto von einem isländischen Wasserfall.

Immer noch Schneereste auf einer Höhe von nur 600 m
Der Wasserfall Gufufoss

An den Tagen, ehe die Fähre nach Dänemark ausläuft, heißt es Zusammenrücken auf dem Campingplatz. Da es heute eh kühl und regnerisch ist, und wir nicht draußen sitzen können, stört uns das nicht.

Wir machen noch einen Bummel durch den netten Ort und besuchen an dessen Ende, einmal den Hügel hoch, das Kunstwerk Tvísöngur des deutschen Künstlers Lukas Kühne: fünf Betonkuppeln verschiedener Größe, die die Verwendung von Quinten in der traditionellen Volksmusik visualisieren sollen. Jede der Kuppeln hat ihre eigene Resonanz, die genau einem dieser fünf Töne entspricht. Mit dem Projekt soll die um die 2.000 Jahre alte polyfone Gesangsform vor dem Vergessen bewahrt werden. 

Bunte Gasse in Seyðisfjördur
Tvísöngur

Ein beschaulicher Platz, um eine kleine Bilanz dieser Reise zu ziehen:

Was hat uns am meisten begeistert?

– Die abwechslungsreiche ganz besondere Natur, in der Feuer und Eis, Berge und Meer die große Rolle spielen.

Dass wir die Papageitaucher aus nächster Nähe sehen konnten. Und die Goldregenpfeifer. Und die Bekassinen. Und die Rotschenkel…

– Die Badekultur

– Dass es nicht dunkel wird.

– Dass wir so ein Glück mit dem Wetter hatten!

– Dass wir so entspannt in unserem Bus herumreisen konnten.

Was würden wir vermissen, wenn wir längere Zeit hier leben würden?

– Gutes Gemüse und Obst

– Einfach mal irgendwo auf einen Kaffee oder einen Drink hingehen (entweder gab es nichts und/oder es war uns zu teuer)

– Dass es mal dunkel wird.

Wir fahren morgen noch nicht direkt nach Hause sondern machen noch einen Stopp auf den Färöer-Inseln, die zwischen Island und Dänemark liegen. „Laut einer Befragung von über 500 Reisefachleuten durch die Zeitschrift National Geographic Traveler im Jahr 2007 sind die Färöer die schönsten Inseln der Welt.“ (Reise Know How: Island. Färöer-Inseln)

Da sind wir mal sehr gespannt.

Auf zu den Färöer-Inseln